Rückblick – 13.Spieltag

Spieler des Spieltags: Robert Lewandowski

Die Bayern machen Bayern-Dinge. Der Liga zu verstehen geben verwundbar zu sein und genau dann wenn es darauf ankommt wieder die Muskeln spielen lassen. Im Topspiel dieses Spieltages bekam es der Rekordmeister im Spitzenspiel um den ersten Tabellenplatz mit den bis dato ungeschlagenen Leverkusenern zu tun.

Zwei katastrophale Abwehr-Fehler und ein wacher Lewandowski katapultieren die Bayern im Endspurt vor der Weihnachts-Pause auf Platz Eins der Liga. Kurz vor Ende der guten ersten Leverkusener Halbzeit konnte der Pole ein Missverständnis zwischen Lukas Hradecky und Jonathan Tah ausnutzen und per Kopf zum 1:1 Ausgleich abstauben. In der ausgeglichenen zweiten Halbzeit sah dann alles danach aus, dass die beiden Mannschaften leistungsgerecht mit einem Unentschieden auseinandergehen. Dann ließ abermals Tah in der Nachspielzeit ein Anspiel Diabys unbedrängt verspringen und Lewandowski versenkte einen abgefälschten Schuss zum Sieg in den Maschen.

Team-Arbeit führt zum Erfolg

Manchmal muss man seine Autorität beiseiteschieben und auf seine Berater vertrauen. Die ganze Woche über soll Co-Trainer Tim Borowski ein gutes Gefühl gehabt haben, was den neunzehnjährigen Eren Dinkci aus der zweiten Mannschaft betrifft. Bis zu seiner Einwechslung in der 85. Minute soll er seinem Chef Florian Kohfeldt empfohlen haben den Regionalliga-Torjäger ins kalte Wasser zu werfen und seine ersten Bundesliga-Minuten zu bescheren. In der Schlussminute des langweiligen Keller-Duells gegen Mainz kam es dann wie es kommen sollte.

Der ebenfalls eingewechselte Tahtih Chong schlug eine Flanke aus dem Halbfeld in den Rücken der Mainzer Hintermannschaft in den sich der lauernde Dinkci geschlichen hatte und die Bremer per Kopf in Ekstase versetzte. Ohne die Beharrlichkeit Borowskis, und den unegoistischen Führungsstil Kohfeldts wäre es dem Mittelstürmer wohl nicht geglückt mit seinem ersten Ballkontakt gleich für seine ersten Bundesliga-Treffer und wichtige drei Punkte für Werder zu sorgen.

Gladbach macht sich unbeliebt

Einer anderen Person aus kurzer Entfernung bewusst ins Gesicht zu spucken ist nichts als widerlich. Max Eberls Auftritt sich als Verantwortlicher vor das Mikrofon zu stellen und das Ganze als Versehen abzustempeln grob fahrlässig und eine verfehlte Gelegenheit in der Öffentlichkeit klare Kante zu zeigen. Frankreichs Weltmeister von 1998, Lilian Thuram fasste die Situation passender zusammen. Enttäuscht teilte er in einem Social-Media-Post klar, dass er seinen Sohn Marcus in der Situation nicht wiedererkannt habe.

Besonders prekär wird die Situation mit dem Wissen, dass auch Christoph Kramer eine Woche zuvor Glück hatte als er nach einer sehr absichtlich aussehenden Spuck-Attacke gegen Sebastian Rode nicht vom Platz gestellt wurde. Die sonst so sympathische Fohlen-Elf hat in den letzten Wochen einige Schäden in der öffentlichen Wahrnehmung davongetragen. Zumindest nutzte man intern die Chance den französischen Neu-Nationalspieler treffend zu sanktionieren. Ein gesamtes Monatsgehalt muss Thuram nun einer gemeinnützigen Organisation speden.

Rückblick – 12.Spieltag

Spieler des Spieltags: Lars Stindl

Gladbach zeigt sich durch den schmalen Kader mit der ungewohnten Doppel-Belastung in der Liga momentan oftmals müde und ohne die letzten notwendigen Prozente an Frische und Spritzigkeit. Im Spiel bei Eintracht Frankfurt musste Kapitän Lars Stindl zum Punktgewinn die Kohlen für seine Mannschaft aus dem Feuer holen.

Ein wunderschönes, halbhoch rechts an der Mauer vorbeigezirkeltes Freistoß-Tor brachte die frühe Führung für die Elf vom Niederrhein. Diesen Zwischenstand konnten die Frankfurter bis zur Nachspielzeit auf eine 3:1-Führung drehen, ehe Stindl das Spiel auf den Kopf stellte. Einen verdienten Foulelfmeter verwandelte der Offensivmann in der Schlussminute nervenstark zum 2:3, nur um fünf Minuten später im Schlussakt der Nachspielzeit durch eine Willensleistung den Ball im Kopfball-Duell gegen zwei Eintracht-Verteidiger über die Linie zu drücken.

Keine Spur von Glamour

Eigentlich keimte in den letzten Wochen der Eindruck auf, die Hertha sei in der Phase ihr Spiel dem durch die Verantwortlichen kreierten Image des glamourösen Big-City-Clubs anzupassen. Das Spiel gegen den destruktiven Abstiegskandidaten aus Mainz zeigte aber nicht einmal Nuancen von spielerischer Finesse. Stattdessen gab es 90 Minuten Fußball zum Abgewöhnen. Nach Schlusspfiff wurde nicht ein einziger Schuss aufs Tor in die Statistiken aufgenommen. Strafraumszenen blieben ebenso Mangelware.

Verteidiger der Hertha können mit Sicherheit anführen, dass die Mainzer es geschafft haben die Berliner auf ihr Niveau runterziehen. Die Spiele der vergangen Wochen haben mehr als deutlich aufgezeigt, dass die Rhein-Hessen in ihrer derzeitigen Lage nichts Anderes vorhaben als das Entstehen eines Fußball-Spieles mit offenem Visier zu verhindern. Nichtdestotrotz ist es erschreckend, wie wenig dieser, mit talentierten Spielern bespickten, Berliner Mannschaft eingefallen ist um das Mainzer Bollwerk zu knacken. So bleibt am Ende nur ein 0:0 das als Anti-Werbung für den deutschen Fußball und Alptraum für alle Cutter von Match-Highlights in Erinnerung bleibt.

Wende mit neuem Trainer?

Vor dem Start dieses Spieltages ist der viel gescholtene BVB-Coach Lucien Favre entlassen worden. Der bisherige Co Edin Terzic übernimmt den Tabellenvierten voraussichtlich bis Saisonende. Das Fußball-Volk erwartete zu einem großen Teil einen frei und entfesselt aufspielenden Titel-Aspiranten der die verunsicherten Bremer in ihre Einzelteile zerlegt. Ganz so sah das Spiel der beiden kriselnden Traditions-Klubs dann aber nicht aus. Zwar waren die Dortmunder der verdiente Sieger der durchschnittlichen Partie, ein positiver Effekt war aber allenfalls in Teilen sichtbar.

Kapitän Marco Reus zeigte eine stark verbesserte Leistung, war Aktivposten und Torschütze der Schwarz-Gelben. Jadon Sancho wirkte aber einmal mehr wie ein Fremdkörper und die Suche nach Lösungen ohne Top-Stürmer Erling Haaland weiterhin ein schwieriges Unterfangen. Vor den nächsten Rückrunden-Spielen muss der BVB zwingend daran arbeiten im letzten Drittel kreativer zu werden und die ohne Zweifel vorhandenen Top-Spieler wieder zurück zu alter Stärke zu pushen.

Rückblick – 11. Spieltag

Spieler des Spieltags: Andreas Luthe

Nach dem Abgang des Leistungsträgers Rafael Gikiewicz nach Augsburg musste sich Union Berlin auf der Torhüter-Position neu aufstellen. Dazu kam ablösefrei mit Andreas Luthe der bisherige Stamm-Torwart der Fuggerstädter, eine glanzlose zweckdienliche Lösung. Mit Loris Karius kam zudem ein Hauch von internationaler Fußball-Prominenz in die Hauptstadt um den Konkurrenzkampf um die Nummer Eins zu entfachen. Überraschenderweise konnte das Duell zunächst der in der abgelaufenen Saison oftmals wackelnde Luthe für sich entscheiden.

Nach Patzern in zwei aufeinanderfolgenden Spielen und augenscheinlichen fußballerischen Defiziten erwarteten viele einen Torwartwechsel zum Spiel gegen die Bayern. Trainer Urs Fischer entschied sich dagegen. Diesen Vertrauensvorschuss zahlte Luthe beim 1:1 gegen den Triple-Gewinner mit überragender Leistung zurück. In der zweiten Halbzeit sicherte der Routinier den Köpenickern mit katzenartigen Reflexen den Punktgewinn. Gerade die Parade gegen den Kopfball von Leroy Sané aus kürzester Distanz kurz vor Schlusspfiff ist ein heißer Anwärter auf die spektakulärste Rettungstat der Saison und wohlmöglich Garant für die Festigung Luthes Stammplatzes.

Weghorst auf Abwegen

Mit seinem Doppelpack gegen Frankfurt wurde Wout Weghorst wieder einmal zum Matchwinner für Wolfsburg. Neben dem Platz sorgte der Niederländer für eine heftige Social-Media-Entgleisung die völlig zurecht einen Shitstorm auslöste. Er teilte einen Post der amerikanischen Gynäkologin und Verschwörungstheoretikerin Christiane Northrup mit bedenklichem Inhalt. „Stell dir eine Impfung vor, so sicher, dass man dazu gezwungen werden muss – für eine Krankheit, so tödlich, dass du getestet werden musst, um zu wissen, dass du sie hast“, heißt es in dem Northrup-Beitrag vom Samstag.Das! Leute, informiert euch selbst.“ kommentierte der Angreifer persönlich zum Statement.

Nach dem Auslösen eines Shitstorms und dem vermutlichen Eingreifen der Wolfsburger Vereinsführung ruderte Weghorst urplötzlich zurück. Ihm ginge es hauptsächlich nur darum seinen Followern mit auf den Weg zu geben sich möglichst selbst zu informieren und so viele verschiedene unterschiedliche Meinungen und Standpunkte wie möglich anzuhören. Mit Sicherheit wäre ein Verweis auf das Anerkennen von Fakten und das Ignorieren von wahrheitsverleugnenden „alternativen Medien“ ein besserer Ratschlag gewesen. Dieser Fall zeigt in jedem Fall wie gefährlich es sein kann, wenn ahnungslose Prominente ihre große Reichweite und Vorbildsfunktion als Bühne für heikle politische oder gesellschaftliche Statements nutzen.

Mit den eigenen Waffen geschlagen

Die Formkurve des BVB zeigt nach unten. Auf die Heimniederlage gegen Köln folgte ein Unentschieden gegen schwache Frankfurter. Auch der Gruppensieg in der Champions League durch ein glanzloses 2:1 gegen St. Petersburg konnte über diesen Trend nicht hinwegtäuschen. In der Bundesliga sollte die Trendwende gegen die bisher mutig aufspielenden Stuttgarter geschafft werden. Schon früh nahm das Spiel eine gegenteilige Entwicklung. Mit 1:1 ging es aus Sicht der Borussia noch glücklich in die Pause. In der zweiten Halbzeit setzte es dann vier weitere Gegentore und eine am Ende völlig verdiente 1:5 Schlappe gegen den Aufsteiger.

Hohes Pressing mit überfallartigen Kontern und erfolgreichen Dribblings der talentierten Offensiv-Spieler lautete das Erfolgsrezept der Matterazzo-Elf. Der BVB ließ sich im eigenen Stadion den Schneid abkaufen. Ausgerechnet durch eine Spielidee die die Dortmunder selber in den vergangenen Jahren am manchen Tagen nahezu in Perfektion beherrscht haben. Resultat des Spiels war die Entlassung Favres und einige erlöste BVB-Anhänger die den Sündenbock für die uninspirierten Leistungen auf dem Platz auf der Trainerbank ausfindig gemacht haben wollen.

Rückblick – 10.Spieltag

Spieler des Spieltags: Kingsley Coman

Hansi Flick ist eigentlich nicht bekannt dafür Sonderlob für einzelne Spieler auszusprechen. Mit Kingsley Coman machte der Triple-Trainer nach dem 3:3 im Spitzenspiel gegen Leipzig eine Ausnahme. Er sei der einzige Flügelspieler im Kader, der momentan Torgefahr ausstrahle und zwingend in seinen Aktionen ist. Egal ob in der Liga oder international Coman sammelt seit Wochen Scorerpunkt um Scorerpunkt.

Gegen die roten Bullen war der Weltmeister an nahezu jedem Angriff der Bayern entscheidend beteiligt. Seine Arbeitsbilanz am Ende des Spiels: Assists für alle drei Tore des Rekordmeisters und mit 35,9 km/h der neue Geschwindigkeitsrekord der diesjährigen Bundesliga-Saison. Es scheint als sehe man erstmals seit seiner Bayern-Ankunft einen Coman, der verschont von großen Verletzungen, sein volles Potenzial ausschöpft.

Bosz erfindet sich neu

Tore, Spektakel, vernachlässigte Abwehrarbeit, das versprechen Spiele mit Beteiligung von Peter Boszs Mannschaften im Normalfall. Vorne in der Lage sich in einen wahnwitzigen Lauf spielen zu können und defensiv mit einem Himmelfahrts-Kommando. Aki Watzke, Michael Zorc & Co. werden sich erinnern können. Auch bei seiner zweiten Station in Deutschland, Bayer 04 Leverkusen, schien die Abwehr unter dem offensiven Spielspiel des Niederländers zu leiden. Umso überraschender die bisherige Bilanz der aktuellen Saison. Mit nur neun gefangenen Gegentoren stellt Bayer gemeinsam mit Leipzig die beste Defensive der Liga. Die Doppel-Belastung mit teilweise weiten Auswärts-Reisen in der Europa-League lässt diesen Erfolg nur noch höher einstufen.

Vor der Saison stellten sich viele Fans die Frage wie die weiterziehenden Top-Scorer Kai Havertz und Kevin Volland zu ersetzen seien. Die Lösung überrascht. Das Vertrauen in die Offensiv-Spieler aus der zweiten Reihe und eine angepasste Spiel-Philosophie mit dem Fokus auf einen gefestigten Defensiv-Verbund. Momentan steht die Werkself ungeschlagen als erster Bayern-Verfolger auf dem zweiten Tabellenplatz.

Die Ankunft des Big-City-Klubs?

Aberwitzige Millionen-Summen wurden durch Investor Kai Windhorst in Stadion und Kader der Alten Dame gepumpt. Das Ziel, die Hertha dauerhaft im internationalen Geschäft zu etablieren, und das Image der grauen Maus beiseitelegen. Große Namen wie die französischen Nationalspieler Lucas Tousart und Mateo Guendouzi, der polnische Torjäger Krszystof Piatek oder der brasilianische Edeltechniker Mateus Cunha sind für dieses Vorhaben verpflichtet worden. Bisher lief man diesem Anspruch ergebnistechnisch weit hinterher. Vor Allem die Derby-Niederlagen in der letzten Saison gegen die weitaus bescheideneren Eisernen aus Köpenick schmerzten extrem.

In den letzten Wochen war beim großen Berliner Klub aber eine Kehrtwende in der Leistung zu erkennen. Der neu formatierte Kader scheint sich immer besser einzuspielen. Folgerichtig auch der Derby-Heimsieg an diesem Wochenende. Die Hauptrollen spielten einige der viel gescholtenen Millionen-Transfers. Ex-Rossonieri Piatek kommt immer besser in Fahrt und konnte das Spiel durch seinen Doppelpack zugunsten der Hertha entscheiden. Guendouzi hat sich sehr schnell zum wichtigsten Mann im Berliner Mittelfeld entwickelt, der das Tempo vorgibt und die Fäden zieht.

Rückblick – 9.Spieltag

Spieler des Spieltags: Elyess Shkiri

Mit einem 1:2-Auswärtssieg in Dortmund haben nun auch die Kölner endlich ihren ersten Saisonsieg über die Bühne gebracht. Dauerläufer und Taktgeber Shkiri konnte schon in den letzten Wochen am Ehesten von der Kritik an der Mannschaftsleistung ausgenommen werden.

Neben seinen Anführerqualitäten glänzte der Tunesier nun auch als doppelter Torschütze beim vermeintlichen Knotenlöser-Spiel beim Vizemeister. Zwei nahezu baugleiche Ecken von Ondrej Duda konnte Shkiri nach Kopfball-Verlängerungen am langen Pfosten in Goalgetter-Manier über die Linie drücken. Die Führung der Kölner konnte in der Folge zu einem großen Bestandteil dann auch durch die disziplinierte Arbeit gegen den Ball und das hohe Laufpensum des 32-fachen A-Nationalspielers gehalten werden.

Der ewig Übersehene Stindl

In den illustren Kreis der Spieler mit über 300-Einsätzen in Deutschlands Fußball-Beletage schaffen es nur die Wenigsten. Fohlen-Kapitän Lars Stindl hat diese Marke mit seiner Einwechslung beim Sieg seiner Mannschaft gegen Schalke erreicht. Ein Beleg dafür, wie lange der beidfüßige Offensiv-Stratege schon auf einem konstant hohen Niveau Fußball spielt.

Für den Karlsruher SC, Hannover 96 und Borussia Mönchengladbach erzielte der 32-jährige dabei 63 Treffer und konnte weitere 52 auflegen. Bei all seinen Stationen war der abschlussstarke Zehner absoluter Fixpunkt im Offensiv-Spiel und sowohl in Hannover als auch in Gladbach jahrelanger Kapitän seines Teams. Neben seinen nicht von der Hand zu weisenden spielerischen Qualitäten bringt Stindl nachweislich selten gewordene Führungsqualitäten mit.

Umso verwunderlicher warum er trotz seiner Vita und eines sehr starken Confed-Cups 2017, der für Deutschland mit dem Titelgewinn endete, bisher auf nur 11 A-National-Länderspiele kommt.

Oliver Glasner und Schmadtke mit unerwarteter Kehrtwende

Mit zu vielen Unentschieden und zähem, teilweise ungenießbarem Fußball starteten die ambitionierten Wölfe in diese Saison. Scheinbar gefrustet kritisierte Chefcoach Glasner dann nach dem 1:1 am 6.Spieltag gegen die Hertha öffentlich die Vereinsführung ihm im Transfer-Sommer nicht die gewünschten Spieler gekauft zu haben. Daraufhin schien das Vertrauens-Verhältnis zu Manager Jörg Schmadtke gebrochen und nicht mehr zu kitten.

Diverse Quellen berichteten, das darauf folgende Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim sei ergebnisunabhängig das letzte unter der Führung des Österreichers. Diese vermeintliche Ehrenrunde konnten die Wolfsburger für sich entscheiden, und Glasner blieb überraschend im Amt. An den nächsten beiden Spieltagen konnten auch Schalke und der SV Werder Bremen, spielerisch erheblich verbessert, geschlagen werden. Mittlerweile steht der VW-Club ungeschlagen mit 17 Zählern auf dem 5. Tabellenplatz und auf Schlagdistanz zu den Champions-League-Rängen.

Es scheint als hätten die internen Reibungen zu einem Leistungsplus auf dem Grün gesorgt und Glasner aufgrund des Erfolges wichtige Argumente zur Weiterbeschäftigung auf seiner Seite.

Rückblick – 8. Spieltag

Spieler des Spieltags: Erling Haaland

Die erste Halbzeit konnte Hertha BSC im heimischen Olympiastadion gegen den BVB noch, nicht unverdient, mit 1:0 für sich entscheiden. Nach Wiederanpfiff nahm die Borussia dann standesgemäß das Heft des Handelns in die Hand. Die Hauptrolle nahm mal wieder der Unaufhaltbare Erling Haaland ein. Vier der fünf Dortmunder Tore in der zweiten Halbzeit erzielte der Norweger, der nicht den Anschein macht seinem polnischen Konkurrenten aus München die Auszeichnung zum Torschützen-König kampflos zu überlassen.

Beeindruckend war mal wieder die Körpersprache des zehnfachen Saisontorschützen. Zu jedem Zeitpunkt wirkte Haaland bereit und gierig auf das nächste Tor. Oft scheinen seine Tore berechenbar, da sie sich durch seine auffälligen Tiefenläufe schon früh in der Entstehung ankündigen. Schwer zu verteidigen sind sie aufgrund seiner brachialen Mixtur aus enormer Physis, wahnwitziger Geschwindigkeit und guten Ballkontrolle dennoch.

Bei seiner Ehren-Auswechslung antwortete Haaland auf Nachfrage seines Trainers wie viele Tore er erzielte, dass es fünf geworden wären wenn er auf dem Platz geblieben wäre. Daran dürften nur die Allerwenigsten zweifeln.

Chaosklub 2.0 – Schalke ist der neue HSV

Sportlich geht es für den stolzen Revier-Klub kontinuierlich bergab. Mit 0:2 wurde auch das nächste Bundesliga-Spiel gegen ein zugegeben formstarkes, aber keineswegs unschlagbares Wolfsburg verloren. Mit saisonübergreifend 24 Spielen ohne Sieg sind die Schalker inzwischen auf dem besten Weg den als uneinholbar geltenden Rekord (31) der historisch schlechtesten Bundesliga-Mannschaft aller Zeiten, Tasmania Berlin, einzuholen.

Problematisch ist vor Allem, dass neben klar erkennbaren spielerischen Defiziten selbst die Mentalität nur bei wenigen Spielern zu stimmen scheint. Dazu schafft man sich beinahe täglich neue Nebenkriegsschauplätze. Aufgrund wirtschaftlich katastrophalen Fehlentscheidungen, miserabler Kaderplanung und zwischenmenschlichen Aussetzern haben in den vergangenen Jahren neben zahlreichen Trainern auch der jahrelange Geldgeber und starke Mann Schalkes Clemens Tönnies und der lange Zeit als Top-Manager geltende Christian Heidel das sinkende Schiff verlassen. Mit Michael Reschke und Jochen Schneider wurde zeitversetzt ein neues Führungs-Duo installiert.

Aufgrund der von Schneider durchgedrückten Verpflichtung des bisher erfolglosen Übungsleiters Manuel Baum folgt nun die nächste Überwerfung. Michael Reschke räumt nach dem öffentlich gewordenen Disput seinen Posten mit sofortiger Wirkung. Dazu sind mit Amine Harit und Nabil Bentaleb zwei Dauer-Unruhestifter wieder einmal suspendiert worden. Der Vertrag mit Routinier Vedad Ibisevic wurde nach einer Trainings-Rauferei mit Co-Trainer Naldo zumindest nach außen kommuniziert einvernehmlich aufgelöst. Die Parallelen zum ausgestorbenen Bundesliga-Dino werden immer deutlicher.

Hradecky liefert Pannenshow

Immer wieder gibt es diese Szenen. Plötzlich sitzt du mit offenem Mund staunend vor dem Fernseher, ungläubig, ob wahr ist, was gerade passiert ist. Diese Momente in denen sofort klar ist, dass gerade live ein Platz in jedem Bundesliga-Jahresrückblick gesichert wurde. Das Spiel Arminia Bielefeld gegen Bayer Leverkusen hatte einen solchen Moment zu bieten.

Eine flache, nicht allzu scharfe Rückgabe von Dailey Sinkgraven ließ Leverkusens Schlussmann Lukas Hradecky über das Standbein rollen und zum zwischenzeitlichen 1:1 ins Tor laufen. Nicht das erste Mal, dass der auf der Linie überragende Torwart mit dem Ball am Fuß eklatante Schwächen zeigte.

Innenverteidiger Alexander Dragovic dürfte der bekennende Bier-Liebhaber Hradecky inzwischen eine Kiste spendiert haben. Der konnte mit seinem 2:1 Siegtreffer in den Schluss-Minuten dafür sorgen, dass Hradeckys Fehler unbestraft blieb.

Rückblick- 7.Spieltag

Spieler des Spieltages – Max Kruse

Auch bei seinem neuen Arbeitgeber verläuft das Privatleben des Kult-Kickers nicht geräuschlos. Ausgerechnet in der Bundes- und momentan auch Corona-Hauptstadt Berlin fordert Kruse seine Fans zu Solitaire-Duellen in seiner Stamm-Shishabar auf.

Währenddessen liefert der Offensiv-Freigeist auf dem Platz aber wieder ab. Beim 5:0 Heimsieg wurde der fußballerische Qualitätsunterschied Kruses zu den im Kontrast zweitklassig wirkenden Bielefeldern mehr als deutlich. Zwischen den Reihen konnte der Zehner in der Offensive schalten und walten wie er wollte. So war der Ex-Nationalspieler am Ende des Spiels an 4 der 5 Tore beteiligt. Das erste mit perfekt getimten Schnittstellenpass noch mustergültig eingeleitet, konnte Kruse sich bei den darauf folgenden Toren zweimal als direkter Vorlagengeber und einmal als Elfmetertorschütze auf den Spielberichtsbogen bringen.

Seine sportlichen Leistungen dürften auch die Gemüter der Union-Oberen beruhigen. Je besser Kruse spielt, desto weniger stehen seine privaten Eskapaden unter dem Brennglas.

Tor-Festival beim Rheinderby

Auch der deutsche „Klassiker“ hatte aufgrund überraschend ebenbürtiger Dortmunder einiges an Toren, Spielwitz und Spannung zu bieten. Vor Anpfiff des Bundesliga-Sonntags war der 2:3 Auswärtserfolg der Bayern wahrscheinlich das bisherige Highlight der noch jungen Bundesliga-Saison.

Doch dann lieferten Gladbach und Leverkusen dem Zuschauer ein unvergleichliches Offensiv-Spektakel. Über die volle Distanz gönnten sich die Tabellen-Nachbarn keinerlei Verschnaufpausen. In dem Spiel, ganz nach der Spielphilosophie des Leverkusener-Trainers Peter Bosz, behielt die Werkself schlussendlich mit 4:3 die Oberhand.

Während die Defensiven nicht existent wirkten konnten beide Offensiv-Reihen glänzen. Lucas Alario erzielte seinen dritten Doppelpack in Folge, Florian Wirtz stellte einmal mehr sein fußballerisches Potenzial zur Schau und auch der Gladbacher Lars Stindl konnte zwei Treffer erzielen.

Die Krone auf dieses atemberaubende Spiel setzte der eingewechselte Gladbacher Valentino Lazaro mit seinem Tor zum 4:3 Schlusspunkt in der Nachspielzeit. Eine Flanke aus dem Halbfeld verwandelte der Österreicher aus sechzehn Metern per Scorpion-Kick in den Winkel.

Startschuss zum Kampf um den Klassenerhalt

In den vergangenen Wochen wirkten Mainz und Schalke regelrecht scheintot. Blutleere, uninspirierte Bundesliga-Spiele ohne auch nur einen Hauch von Offensiv-Gefahr auszustrahlen waren die Norm. Pessimisten und kritische Supporter sahen die Teams schon mit einem Bein in der zweiten Bundesliga.

Das direkte Duell bestätigt nun aber einen mutmachenden Trend der sich schon am vergangenen Spieltag angedeutet hat. Die Mannschaften leben noch und scheinen den Kampf um den Klassenerhalt vollständig angenommen zu haben. Überraschenderweise entwickelte sich sogar ein stellenweise attraktives Bundesliga-Spiel mit inspiriertem Offensiv-Spiel.

Leistungsgerecht, wenn auch aufgrund von zweifelhaften Schiedsrichterentscheidungen zugunsten der Mainzer beeinflusst, trennte man sich 2:2. Ein Punkt der beiden Teams nicht wahnsinnig viel weiterhilft, aber gerade bei Betrachten der aktuellen Leistungen in Bielefeld und Köln Hoffnung auf eine zeitnahe Besserung der Tabellenposition macht.

Rückblick – 6.Spieltag

Spieler des Spieltages – Lucas Alario

Mit einem frühen Doppelpack noch in der ersten Halbzeit drehte „El Pipa“ das Spiel beim SC Freiburg früh zugunsten der Leverkusener. Für Alario waren die Saisontreffer 4. und 5. zudem der zweite Doppelpack in Folge.

Vor der Saison wurde lediglich der international begehrte Tscheche Patrick Schick als namhafte Offensiv-Verstärkung für das wechselnde Top-Scorer-Duo Kevin Volland und Kai Havertz geholt. Gefordert werden sollte vor Allem die namhaft besetzte bisherige zweite Offensiv-Reihe. Einer davon ist eben jener Lucas Alario, der durchwachsene Bundesliga-Saisons durchlebte und seinen Stempel bisher eher als Edel-Joker aufdrücken konnte.

„El Pipa“, der in Argentinien schon bewies, als Starter Top-Tor-Quoten aufweisen zu können scheint sich durch verringerten Konkurrenz-Druck aber pudelwohl zu fühlen und besonders seit der verletzungsbedingten Abstinenz Patrick Schicks regelrecht aufzublühen. Seine beiden Doppelpacks erzielte der Nationalstürmer der Albiceleste in eiskalter Manier eines Vollblut-Knipsers.

Die Bayern zeigen sich menschlich

8:2, 8:0, 5:0, 4:0 – eine kleine Sammlung vergangener Ergebnisse unter Bayern-Coach Hansi Flick. Leidtragende dieser verheerenden Niederlagen waren unter Anderem Eintracht Frankfurt, Atletico Madrid und der FC Barcelona im CL-Halbfinale. Mit Ausnahme der 4:1-Niederlage in Sinsheim zeigte sich „La Bestia Negra“ zu Saison-Beginn schon wieder in außerordentlicher Frühform. Nie wurde auch nur ein Hauch von Blöße gezeigt und die bedauernswerten Gegner regelrecht überrollt.

Sowohl Lok Moskau als auch dem Krisen-Klub aus Köln schien da nur eine Rolle als meilenweit unterlegener Sparrings-Partner zuzukommen.Doch gegen beide gab es lediglich sehr mühsame, spielerisch glanzlose 2:1-Arbeitssiege. Zur Zeit sieht es tatsächlich mal wieder danach aus, dass spielmüde Bayern durch wache, disziplinierte Gegner vor Probleme gestellt werden können und dem neutralen Fußball-Fan eventuell mal wieder ein spannenderer Meisterkampf bevorsteht.

Jogis Aussortierte sind weiter in Top-Form

Mit der Ausbootung aus der Nationalmannschaft scheinen Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng einen Motivationsschub bekommen zu haben. Schon in der vergangenen Rückrunde zählten alle drei zweifelsohne ligaweit zu den besten Spielern auf ihrer Position. Müller und Boateng waren sogar elementarer Bestandteil des historischen Triples.

Auch in dieser Saison lassen die drei aussortierten Routiniers weiter ihre Muskeln spielen. In Abstinenz von Lewandowski ging der grätschende, kämpfende Müller als Leader auf dem Platz voran und trug als Ersatz-Elfmeterschütze auch in punkto Toren zum mühsamen Arbeitssieg des Rekordmeisters bei. Boateng durchlebte fehlerfreie 90 Minuten und machte den sichersten Eindruck in Bayerns Defensive. Auch Mats Hummels hinterließ einen astreinen Arbeitsnachweis beim 2:0 Sieg auf der Bielefelder Alm. Als Abwehrchef der sattelfesten Dortmund-Defensive war Hummels auch vorne mit einem Doppelpack per Kopf der Unterschiedsspieler und Mann des Tages.

Rückblick – 5. Spieltag

Spieler des Spieltages – Robert Lewandowski

10 Saisontore ist eine Marke die man einem Startelf-Stürmer eines durchschnittlichen Bundesliga-Vereins schon als ordentlichen Leistungsnachweis am Ende der Saison attestieren würde. Robert Lewandowski braucht dafür gerade einmal fünf Spiele die lange nicht alle über 90 Minuten absolviert wurden.

Der Pole hat seine Weltklasse-Form der abgelaufenen Erfolgs-Saison nicht nur konserviert, sondern weiter steigern können. Mit ebenfalls formstarken Konkurrenten wie Erling Haaland oder Andrej Kramaric ist er bei Weitem nicht der Einzige der regelmäßig trifft und doch scheint er in seiner eigenen Liga zu spielen. Robert Lewandowski vs Robert Lewandowski.

Bei ihm scheint der Ibrahimovic-Effekt in vollem Ausmaß einzusetzen. Mit zunehmendem Alter wird der Pole immer besser und treffsicherer. Gegen Frankfurt gelang der zweite Hattrick in dieser Saison. Dabei zeigte sich wiederholt die Vielseitigkeit des inzwischen mit Sicherheit besten Mittelstürmers der Welt. Ein Tor per Kopf, eines mit dem linken und eines mit dem rechten Fuß.

Leipzigs unberechenbare Startelf-Rochaden

Von Timo Werner spricht in Leipzig mittlerweile keiner mehr. Der Leipziger Top-Scorer der vergangenen Saison ist adäquat ersetzt worden. Durch keinen Top-Transfer als 1:1 Ersatz, sondern durch das ganze Kollektiv.

Nagelsmanns Leipzig ist über die Jahre zu einer beängstigend gut eingespielten Mannschaft geworden, die in ihrer taktischen Flexibilität kaum auszurechnen ist. Außenverteidiger Angelino ist als Schienenspieler im 5-3-2 plötzlich zum Torjäger und Kopfball-Ungeheuer mutiert, die drei Fußball-Feingeister Forsberg, Olmo und Nkunku legen sich in vorderster Front ohne echten Stürmer den Gegner nach Belieben zurecht und die Skandinavien-Kanten Poulsen und Sörloth bringen bei Einwechslung noch mehr Gefahr durch ihre brachiale Körperlichkeit ins Spiel.

In kaum einem Spiel wird bei Leipzig bis auf den Torwart nicht auf jeder Position rotiert. Man könnte meinen, dass der Spielfluss darunter leide wenn sich kein festes Gerüst einspielen kann. Doch bei Leipzig greift egal in welcher taktischen Formation oder personellen Besetzung ein Zahnrad ins Nächste. So gelingt es den roten Bullen trotz Dreifach-Belastung körperlich frisch zu bleiben. Diesen Spieltag gab es einen ungefährdeten 2:1 Heimsieg gegen die Hertha. Sollte dieses Jahr die Punkteausbeute gegen die anderen Top-Teams der Liga besser ausfallen ist eine erste Meisterschaft der Sachsen ein denkbares Szenario.

Bremer Rückbesinnung auf die Basics

Eigentlich wollte Florian Kohfeldt sich einen Namen dafür machen, die Spielkultur zurück an die Weser bringen. In seiner ersten Saison, gelang das den Bremern auch sehr gut. Letzte Saison wurde dieser kreative, offensive Spiel-Ansatz aber fast mit dem Abstieg abgestraft. Besonders in der Verletzungs-Misere schien der Bremer Kader individuell zu schwach besetzt um als spielbestimmende Mannschaft auf Strecke genügend Punkte einzufahren.

In dieser Saison gibt es den kompromisslosen Turn-Around. In jedem bisherigen Saison-Spiel, war Bremen die Mannschaft mit dem oft sogar deutlich geringeren Ballbesitz-Anteilen. Unterschied zur letzten Saison ist aber auch, dass mit dieser Igel-Taktik bisher deutlich besser gepunktet wird. Nach dem 1:1 gegen Hoffenheim stehen die Grün-Weißen nun mit acht Punkten nach fünf Spieltagen auf dem siebten Tabellen-Platz.

Der stark angezählte Bremer Coach mag vielleicht seine lobenswerte Spiel-Philosophie vorerst geopfert haben, aber scheinbar mit dem Resultat der Rückkehr des sportlichen Erfolges.

Rückblick – 4. Spieltag

Spieler des Tages: Gonzalo Castro

Die Überraschungsmannschaft des Saisonauftakts sind die Bundesliga-Rückkehrer aus Stuttgart. Nach vier Spielen haben die Schwaben bereits sieben Punkte auf dem Konto. Vor Allem offensiv konnte der junge Kader mit neun erzielten Toren bereits glänzen. Mit Spielern wie Sasa Kalajdzic, Silas Wamangituka oder Tanguy Coulibaly scheint Top-Scout Sven Mislintat wieder einmal sein berüchtigtes „Diamanten-Auge“ bewiesen zu haben.

Dass das Spiel der Materazzo-Elf momentan so gut harmoniert liegt aber auch daran, dass die Erfahreneren ihre Leader-Rolle annehmen und darin aufgehen. Kapitän und Bundesliga-Urgestein Gonzalo Castro hat im Auswärtsspiel gegen die Hertha einmal mehr gezeigt, dass er als Antreiber und Ballverteiler im Mittelfeld unverzichtbar ist. Bis zu seiner Auswechslung zwei Minuten vor Abpiff lieferte Castro ein in seiner Einfachheit und Schnörkellosigkeit nahezu makelloses Spiel. Zudem machte er mit dem sehenswerten 2:0 zu einem psychologisch wertvollem Zeitpunkt den Deckel drauf. Nach eigener Balleroberung und doppeltem Doppelpass schweißte Castro die Kugel aus 20 Metern Torentfernung trocken ein.

Aus der Not wird eine Tugend

Die Innenverteidiger-Positionen neben Mats Hummels gelten bei den Borussen nicht selten als Achillesferse im Defensiv-Verbund. Der mit vielen Vorschuss-Lorbeeren gekaufte Manuel Akanji bleibt bis heute weit hinter den Erwartungen zurück. Dan-Axel Zagadou zeigte oft vielversprechende Ansätze, ist aber häufig Opfer seiner Verletzungsanfälligkeit geworden bevor er sich endgültig festspielen konnte. Defensiv-Allrounder Emre Can kann seine Dynamik auf der Sechser-Position besser ausspielen und ist zu sehr „Bruder Leichtfuß“ um die Rolle des Innenverteidigers seriös genug zu interpretieren.

Also nahm den Platz neben Hummels in der vergangenen Rückrunde und dem Saisonauftakt größtenteils die alternde Vereins-Legende Lukasz Piszszek ein. Die Position spielte der Pole auch meistens ordentlich. Allerdings sind die nachlassende Geschwindigkeit und Dynamik des früheren Stürmers nicht von der Hand zu weisen. Als Piszczek gegen Hoffenheim nach 20 Minuten verletzungsbedingt das Feld verließ musste der Däne Thomas Delaney einspringen. Über die verbliebende Spielzeit ließ der gelernte Sechser gar nichts anbrennen und wusste mit einem ruhigen, sicheren Spielaufbau zu überzeugen. Gut möglich, dass Favre nun aus der Not heraus eine Qualitätssteigerung in der Abwehr-Zentrale bekommt die eine potenzielle Startelf-Option für die restliche Saison werden kann.

Unter Überlastung leidet der Spielfluss

In einer Sache waren sich Fans, Funktionäre, Spieler und Trainer einig. Die vergangene Länderspiel-Pause hat zu viel von den Profis abverlangt. Erling Haaland stand beispielsweise innerhalb von acht Tagen zweimal 90 und einmal 120 Minuten für die norwegische Nationalmannschaft auf dem Platz. Durch die Corona-Verzerrung und das saisonabschließende EM-Turnier sind viele Profis ohnehin schon einer noch nie dagewesenen Dichte an Pflicht-Spielen im Termin-Kalender ausgesetzt. Da muten die Spiele in der nahezu bedeutungslosen UEFA Nations-League wie die Krone der Absurdität an.

Diese Überlastung zeigte sich dann auch vermehrt auf dem Rasen. Entweder traten die übermüdeten Länderspiel-Rückkehrer an oder die Trainer ließen zur Schonung ihrer Reisenden völlig durchgewürfelte Start-Formationen auflaufen die in keiner Weise einen eingespielten Eindruck machten. So war das Spiel der Bayern in Bielefeld am ganzen Spieltag das Einzige in dem mehr als zwei Tore fielen. Krampf statt Klasse war Motto des Spieltages, dass eher an einen durchschnittlichen Zweitliga-Spieltag erinnerte.

Stellvertretend für das Gesamtbild steht das Spiel der Leverkusener Werks-Elf beim Liga-Schlusslicht aus Mainz. Über 90 Minuten schoss die Heimmannschaft nicht ein einziges Mal auf das gegnerische Tor und auch die hochtalentierte Leverkusener Offensive ließ selten Kreativität aufblitzen. Bezeichnend, dass das Tor des Tages in diesem Grusel-Kick nach einer Ecke fiel. Bleibt zu hoffen, dass die Kontinental-Verbände diesen Spieltag als Warnung in die Planung künftiger Länderspiel-Pausen einfließen lassen.