Rückblick – 31. Spieltag

Spieler des Spieltags: Joel Pohjanpalo

Der wasserstoffblonde Finne ist nicht nur aufgrund seiner Optik eine äußerst rare Erscheinung. Er verkörpert auch einen nahezu ausgestorbenen Spieler-Typus. Spielerisch kaum ins Spiel eingebunden, aber mit einem verdammt guten Raumgefühl im Strafraum und einem instinktiven Torriecher ausgestattet, ist Pohjanpalo ein waschechter Knipser alter Schule.

An schlechten Tagen schafft der Neuner quasi keinen Mehrwert für seine Mannschaft. Dafür kann er sich aber wie in alten Leverkusener Tagen schnell in einen Rausch schießen. Hat der Finne gute Zuspieler à la Max Kruse an seiner Seite sind Tore Garantie. Diesen Spieltag war mit Pohjanpalo ausgerechnet ein ehemaliger HSVler Albtraum für vor Abstiegsangst gelähmt wirkende Bremer. Kalt und mitleidslos schoss der ansonsten wieder wenig eingebundene Skandinavier alle drei abgefeuerte Torschüsse ins Netz und die Bremer ein weiteres Stück tiefer in den Tabellenkeller. Die Köpenicker können sich indessen für einen Endspurt um die europäischen Plätze heiß machen.

Der Beginn einer neuerlichen Erfolgs-Ära?

Fehlende finanzielle Mittel seien tragische Folge der langanhaltenden Corona-Pandemie. Vereinsobere der deutschen Profifußball-Ligen, werden jedenfalls nicht müde, ihre limitierte Zahlungsbereitschaft öffentlich zu betonen. Zwar auch als gerne genutztes Argument für die eigene Verhandlungsposition gebraucht, dürfte mangels fehlender Stadion-Einnahmen aber auch eine Menge Wahrheit in diesen Aussagen stecken.

Erst vor einer Woche haben die Bayern-Bosse bekannt gegeben, der Upamecano-Transfer bleibe der Einzige dieser Größenordnung in der Transferperiode. Umso überraschender also die Modalitäten rund um Bayerns Neuzugang auf der Trainerbank. Eine stattliche Summe von Minimum 25 Millionen mit etlichen Bonuszahlungen werden wohl an den Konkurrenten aus Leipzig überwiesen, um den heiß begehrten Nagelsmann aus seinem noch laufenden Vertrag rauszukaufen. Zunächst kolportierte 23 Millionen Euro wies RB-Boss Oliver Mintzlaff zumindest vehement zurück. „Wir haben beschlossen, dass wir unter zwei Voraussetzungen die Tür öffnen: Eine massiv hohe Ablösesumme und eine schnelle Einigung. Für 23 Mio. Euro hätten wir ihn nicht gehen lassen“, verließ Mintzlaff auf der heutigen Pressekonferenz verlauten.

Kein Taschengeld-Investment, dass locker aus Bayerns vielzitierter Portokasse getätigt werden kann. Allerdings ein sinnvolles mit dem Potenzial, einen internationalen Trend auszulösen. Zu oft wurde in der jüngeren Vergangenheit darauf hingewiesen, welch hohen Stellenwert die Position des Chef-Coaches auf die Mannschaft habe. Summen in absurder Millionenhöhe wurden bislang aber nur für Spieler ausgegeben. Bayern sah sich bei der Personalie Nagelsmann offensichtlich zum Handeln gezwungen. Angesichts der Beliebtheit Nagelsmanns über die Landesgrenzen hinaus hätte man bei Ablauf seiner Vertragslaufzeit die Eventualität in Kauf nehmen müssen, bei einer geplanten Verpflichtung in die Röhre zu gucken. Auch hätte man bei dem mittelfristigen Spekulieren auf eine Anstellung des 33-jährigen für die kommende Saison eine Übergangslösung suchen müssen.

Mit dem Loseisen von Julian Nagelsmann ist dem in seiner Reputation ordentlich angekratzten Salihamidzic wohl sein bisher größter Coup gelungen. Angesichts der gehandelten Interessenten aus London und Madrid ist die Verpflichtung des wohl weltweit größten Trainer-Talentes gar nicht so naheliegend, wie sie anmutet. Durch sein Plus als Muttersprachler, seine makellose taktische Ausbildung und seinen ungebrochenen Ehrgeiz ist dem Oberbayern mit Vergangenheit bei den rivalisierten 60ern auf jeden Fall eine von großen Erfolgen geprägte Ära zuzutrauen.