Rückblick – 30.Spieltag

Spieler des Spieltags: Jonas Hector

Friedhelm Funkel fährt in seinem zweiten Spiel als neuer alter Chefcoach der Kölner den ersten wichtigen Dreier gegen den Abstieg ein. Zuhause schlug der Effzeh nach neun sieglosen Spielen nicht unverdient die hoch favorisierten Leipziger mit 2:1. Vor allem der Kölner Kapitän Jonas Hector nahm den noch auf die Meisterschaft schielenden Sachsen den Wind aus den Segeln.

Der gebürtige Saarländer marchschierte 90 Minuten als Vorbild voran und war überall auf dem Platz zu finden. Vor allem der Kniff Funkels, den Sechser zur zweiten Halbzeit in die vorderste Front zu beordern, machte sich bezahlt. Das 1:0 erzielte Hector per Kopf nach Horn-Flanke in Manier eines gelernten Neuners. Den späteren 2:1-Siegtreffer erzielte Hector aus der Zehnerposition kommend nach traumhaftem Doppelpass inklusive Hackentrick mit Kreativ-Partner Ondrej Duda. Auch unabhängig der Tore machte der deutsche EM-Teilnehmer von 2016 ein hervorragendes Spiel, lief wichtige Räume zu und war einmal mehr verlässlicher und passsicherer Kombinationsspieler.

Brazzos unerwarteter Glücksgriff

Mit dem frühen, peinlichen Pokal-Aus gegen Holstein Kiel und der gelungenen Revanche des letztjährigen CL-Final-Gegners aus Paris im Viertelfinale des diesjährigen Wettbewerbes muss konstatiert werden, dass die Bayern weit hinter ihren hohen Saison-Erwartungen zurückbleiben. Selbstverständlich ist der sportliche Misserfolg keinem monokausalen Zusammenhang zuzuschreiben. Verletzungspech zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt und tiefe Grabenkämpfe in der Führung der Münchener haben ihren Beitrag geleistet. Ausnahmslos negativ bewertet werden aber Salihamidzics Last-Minute-Transfers für die Kadertiefe einer erfolgreichen Triple-Verteidigung. Bouna Sarr, Marc Roca und Douglas Costa fehlt offen ersichtlich einiges an Klasse und Mentalität, die Edel-Joker respektive Stamm-Spieler Thiago, Ivan Perisic und Coutinho gebührend zu ersetzen.

Der Einzige aus der Riege der Münchner Verzweiflungs-Transfers, der sich hervortut, ist derjenige, dessen Verpflichtung am Meisten für verwundertes Augenreiben gesorgt hat. In verletzungsbedingter Abwesenheit Lewandowskis hat sich Deutsch-Kameruner Eric Maxim Choupo-Moting zur rot-weißen Lebensversicherung gespielt. In Hin- und Rückspiel des CL-Viertelfinales konnte der 1,90m-große Schlaks jeweils ein Tor erzielen und auch in der Bundesliga tauchte der 32-jährige immer häufiger als Torschütze auf dem Spielbericht auf. Eine unerwartet positive Entwicklung die nun im Spätherbst der Karriere mit einem neuen Vertrag belohnt werden soll. Dem wegen seiner gelassenen und humorvollen Art auch in der Münchner Kabine wertgeschätzten Choupo-Moting soll nach übereinstimmenden Medien-Berichten ein Arbeitspapier mit einem Jahressalär von 2 Millionen Euro vorliegen.

Tage blau-weißer Schande

Mit der 1:0-Niederlage auf der Bielefelder Alm ist nun offiziell besiegelt, was schon lange feststeht. Das stolze Bundesliga-Gründungsmitglied der FC Schalke 04, muss nach dreißig Jahren Erstklassigkeit am Stück den Gang in die zweite Liga antreten. Beschämend die blutleere Saison der Königsblauen, die zu keinem Zeitpunkt Hoffnung auf einen erfolgreichen Turn-Around gemacht haben und deren Auftritte in den seltensten Fällen nach leidenschaftlichem Kampf um den Klassenerhalt aussahen.

Ein gewisser Unmut bei den leiderprobten Anhängern der Knappen ist daher durchaus nachzuvollziehen. Die Art und Weise, wie sich der Frust der Fans entladen hat aber Tiefpunkt einer Schalker Spielzeit ohne Lichtblicke. Der Teambus der frischen Absteiger ist bei der Heimreise von einer Horde krawall- und gewaltbereiter „Fans“ in Gelsenkirchen in Empfang genommen worden. Dabei soll es nicht nur bei verbalen Aussetzern geblieben sein. Augenzeugen berichten von tätlichen Angriffen gegen Spieler und Mitarbeiter, Sachbeschädigungen von Autos und Hetzjagden gegen ausgemachte Sündenböcke.

Im Nachgang dieser schändlichen Nacht soll ein anonymer Spieler der Schalker ausgesagt haben, dass er nicht wisse, wie die letzten vier Spiele noch gespielt werden soll. Berechtigte Angst, die nun auch Sportvorstand Peter Knäbel aufgreift. Auf einer extra einberufenen PK spricht er von zu führenden Einzelgesprächen mit Spielern, deren Position die kommenden vier Spiele nicht mehr bestreiten zu wollen, zu akzeptieren sei und deren Wunsch nachgegangen werde. Im Moment spricht alles gegen eine schnelle Rehabilitierung des Kumpel- und Malocher-Vereins und für die Unausweichlichkeit eines langfristigen minutiösen Heilungsprozess auf allen Ebenen eines im Argen liegenden Bundesliga-Riesen.