Rückblick – 29.Spieltag

Spieler des Spieltags: Jamal Musiala

Am Freitagabend hat RB Leipzig es verpasst, Druck auf den Tabellenführer aus München zu machen. Im abschätzig „El Plastico“ getauften Duell gegen die TSG Hoffenheim kamen die Sachsen nicht über ein 0:0 hinaus. Im Topspiel gegen Wolfsburg sollten stark ersatzgeschwächte Bayern dann einen Dreier einfahren, um im Kampf um die Meisterschaft gar nicht erst ein My an Spannung aufkommen zu lassen.

In Abwesenheit von Lewandowsky, Gnabry und Goretzka trumpfte der 18-jährige Neu-Nationalspieler Jamal Musiala groß auf. Gewohnt spielfreudig und dribbelstark wirbelte der Deutsch-Brite die starke Wolfsburger Defensive nach Strich und Faden auseinander. Das 0:1 erzielte Musiala nach einem Slalom-Dribbling durch den Wölfe-16er, bei dem er drei Gegenspieler ungelenk aussehen ließ und aus zentraler Position einschießen konnte. In einem ausgeglichenen Spitzen-Spiel konnte Musiala mit dem 1:3 per lehrbuchartigem Kopfball à la Lewandowski auch noch für den wichtigen Entlastungstreffer in der Wolfsburger Drangperiode sorgen.

Lobende Worte gab es dann auch vom scheidenden Chefcoach Hansi Flick, der das DFB-Juwel zum Matchwinner des 2:3-Siegs auserkoren hat. „Er hat für uns letztendlich den Sieg herausgeholt“, so Flick über den Doppeltorschützen.

Build by the poor, stolen by the rich

UEFA Nations League, UEFA Conference League, der Confederations Cup, Supercup und Klub WM. Absurde Wettbewerbe, bei dem der monetäre Anreiz dem sportlichen Wettbewerb weit überlegen ist, sind im vom Raubtier-Kapitalismus durchzogenen Fußball-Geschäft keine Seltenheit mehr. Die geplante Gründung der Super League ist allerdings ein in der Härte noch nicht dagewesener Schlag ins Kontor der Fußball-Traditionalisten.

Zwölf Top-Klubs planen die Gründung eines unter der Woche laufenden Konkurrenz-Wettbewerbs zur UEFA Champions-League. Darunter sechs englische Traditions-Vereine, Juventus Turin, die Mailänder und Madrider Stadt,-Vereine und der FC Barcelona. Drei weitere feste Plätze waren wohl für PSG, den FC Bayern und Borussia Dortmund vorbestimmt, die der Gründung des Wettbewerbs vorerst nicht zugestimmt haben. Dazu würden sich fünf Qualifikanten gesellen, die jährlich für gute Leistungen in der nationalen Liga belohnt werden sollen. Die Champions-League wäre ohne Beteiligung der Schwergewichte aus den Top5-Ligen dann nur noch eine wenig beachtete Bühne für Wochenausflüge der Top-Vereine kleinerer europäischer Ligen.

Nach außen hin wird die Raffgier der Anteilseigner der großen Vereine wieder einmal als altruistischer Akt der Barmherzigkeit verkauft. „Durch die Zusammenführung der weltbesten Vereine und Spieler wird die Super League ein neues Kapitel für den europäischen Fußball aufschlagen, ein Weltklassewettbewerb wird damit sichergestellt und finanzielle Unterstützung für die breitere Fußballpyramide erhöht,“ so Joe Glazer, der stellvertretende Vorsitzende Manchster Uniteds und der Super League. Ein schlechter Treppenwitz bei 3,5 Milliarden Euro Zuschuss, die jeder Gründer-Verein als „Gegenleistung“ für ihr Engagement erhalten soll.

Noch realitätsverleugnender klingt da nur die Aussage des Real-Madrid-Präsidenten und Super-League-Vorsitzenden Florentino Perez. Man werde „dem Fußball auf jedem Level helfen“ und müsse der Verantwortung nachkommen, „den Wünschen der vier Milliarden Fußballfans zu entsprechen,“ lässt sich der Spanier sinngemäß zitieren. Das Echo der internationalen Fußball-Gemeinde spricht tatsächlich eine ganz andere Sprache. Der Tod des Fußballs und Verrat der Kultur durch egogesteurte Milliardäre ist international das dominierende Narrativ der Anhänger.

Das Trainerkarussell – Ein perpetuum mobile

Nun ist es offiziell. Triple-Coach Hansi Flick verlässt den Rekordmeister nach Saisonende. Ergebnis eines lange währenden Zanks mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der einen nicht zu kittenden Riss hinterlassen hat. Einer Nachfolge Löws als Bundestrainer steht damit nichts mehr im Weg.

Oft gehandelter Name für den frei werdenden Posten ist Julian Nagelsmann vom Konkurrenten aus Leipzig. Im Zuge der aufkeimenden Gerüchte riefen die RB-Verantwortlichen jüngst eine 20-Millionen-Klausel für den begehrten Chef-Trainer aus. In Leipzig könnte derweil Wolfsburgs Oliver Glasner in den Fokus rücken, dem die RB-Schule aus alten Salzburger Tagen bestens bekannt ist und dessen schwieriges Verhältnis zu Jörg Schmadtke kein Geheimnis ist.

Dortmunds neuer Coach wird Marco Rose, während Frankfurts Adi Hütter den geräumten Arbeitsplatz in Mönchengladbach übernimmt. Bleibt ein freier Platz an der Frankfurter Seitenlinie. Sollte Terzic mit dem Zurückweichen in die zweite Reihe beim BVB nicht zufrieden sein, könnte die hessische Balkan-Connection weiteren Zuwachs bekommen und sich zumindest in diesem Fall der Kreis schließen.