Rückblick – 23.Spieltag

Spieler des Spieltags: Koen Casteels

666 Minuten lang musste der belgische Schlussmann der Wölfe nicht mehr hinter sich greifen um den Ball aus dem Netz zu fischen. Der 884 Minuten anhaltende gegentorlose Rekord des deutschen Ex-Nationaltorwarts Timo Hildebrand scheint angesichts der nächsten Gegner zum Greifen nah.

Das 2:0 gegen die Hertha ist nun das siebte Spiel in Folge, in dem das Grün-Weiße-Bollwerk gegentorlos blieb. Maßgeblichen Anteil an der besten Defensive der Liga des Champions-League-Aspiranten hat der spielstarke belgische Nationaltorhüter. Seit Wochen schon hext, der 2 Meter lange Casteels, die wenigen Chancen die die auf dem gesamten Platz diszipliniert verteidigenden Wolfsburger zulassen aus dem Kasten.

Mit zwei starken Paraden gegen Zeefuik und Tousart bewies Casteels wieder einmal seine herausragende Klasse auf der Linie und wusste nebenbei wie immer durch sichere Strafraumbeherrschung und einen technisch sauberen, präzisen Spielaufbau zu überzeugen.

Revolte der Hoffnungsträger

Die Saison der bemitleidenswerten Schalker wirkt mittlerweile wie eine gescriptete Daily-Soap. Neuer Mittelpunkt des Dramas sind die drei als Anführer und Hoffnungsträger verpflichteten Routiniers Kolasinac, Huntelaar und Mustafi. Gemeinsam mit Torwart Ralf Fährmann sollen sie im Vorfeld des Stuttgart-Spiels die Vereinsführung um eine Entlassung des Cheftrainers Christian Gross gebeten haben.

Ursache des Ärgers, die Zerfahrenheit des 66-jährigen Schweizers, die sich immer häufiger in von der Presse dankend angenommenen Verwechslungen und Namensdrehern äußert. Gepaart mit der wachsenden Unzufriedenheit durch unangemessene Trainingsmethoden und nicht ausreichender taktischer Vorbereitung zu viel, um Hoffnung auf einen königsblauen Umschwung zu machen. Vor Beginn der Schmach in Stuttgart versuchte die Führung noch geschlossen den Dolchstoß aus der Mannschaft als medieninszeniertes Märchen abzutun. Die PK nach dem Spiel vermittelte aber ein anderes Bild. Gross zeigte sich enttäuscht, ob der hinter seinem Rücken stattfindenden Kommunikation und ließ seine Enttäuschung raushören.

Eine Suspendierung der Anschwärzer hatte der geplante Sturz des Trainers nicht zur Folge. Stattdessen gab es ein Personalbeben auf Schalke. Mit Christian Gross, Sportvorstand Jochen Schneider, dem Koordinator der Lizenzspielerabteilung Sascha Riether und Athletik-Coach Werner Leuthard wurde nahezu die gesamte sportliche Führung auf einen Schlag entlassen. Mit dem unerfahrenen und in der jüngeren Vergangenheit bereits einmal angelehnten Dimitrios Grammozis hat der neue Hauptverantwortliche Peter Knäbel inzwischen den fünften Trainer dieser Saison präsentiert, der sich der Mammutaufgabe Schalke 04 annimmt.

Nordische Kühlheit

Wenig Tempo, wenig Kreativität, wenig Ballbesitz. Zusammengefasst ist das Werder Bremens Offensivfußball in dieser Saison. Das einstige Bremer Markenzeichen, die Angriffs-Power mit klangvollen Namen à la Klose, Diego oder Micoud ist nicht einmal mehr im Ansatz zu erkennen. Fußballdeutschland scheint sich einig, die Elf von der Weser hat sich über die Jahre zu einer der unattraktivsten Mannschaften der Liga entwickelt.

Nichtdestotrotz stehen die Bremer mit 26 Zählern aus 22 Spielen besser da, als es die öffentliche Wahrnehmung des Vereins vermuten lassen würde. Denn zumindest die Defensive der Hansestädter hat sich durch den destruktiven Spielstil merklich verbessert. Mit nur 32 Gegentoren hat man ebenso wenig zugelassen wie der Tabellenführer aus München. Außerdem ist das Freitagabend-Spiel gegen formstarke Frankfurter (2:1) ein weiterer Beleg, dass eine neue Qualität der Bremer scheint deutlich bessere Gegner auf ihr bescheidenes Niveau herunterzuziehen. Wenn dann die wenigen erspielten Torchancen ertragreich abgeschlossen werden, führt die hanseatische Nüchternheit für das Fernbleiben sämtlicher Abstiegsängste.