Rückblick – 26.Spieltag

Spieler des Spieltags: Robert Lewandowski

Keine Überraschung an diesem Spieltag. Die herausragendste Leistung der Runde zeigte wieder einmal der Weltfußballer des Jahres 2020. Mit seinen Saisontoren 33, 34 und 35 erhöht der Pole seine Chance, den uneinholbar geglaubten 40-Tore Saison-Rekord des Bombers der Nation Gerd Müller zu knacken. 4:0 bezwangen die Bayern den VFB Stuttgart im Süd-Schlager. Dabei standen die Vorzeichen früh im Spiel, alles Andere als gut.

Bereits nach 12 Minuten musste Linksverteidiger Alphonso Davies den Platz wegen überhartem Einsteigen verlassen. Angestachelt durch den Platzverwies zündeten die Bayern den Turbo und erzwangen bis zur Pause eine vier Tore Führung. Lewandowski münzte dabei alle drei seiner Torschüsse in Tore um. Genug, um im Vorbeigehen mit Klaus Fischer, (268) den bisherigen Zweitplatzierten der ewigen Bundesliga-Torjägerliste zu überholen.

Lewandowski-Frust bei formstarken Konkurrenten

Dem Gewinn der prestigeträchtigen Torjäger-Kanone steht Erling Haaland und Andre Silva nur einer im Weg. Robert Lewandowski. Denn auch die Tormaschinen aus Frankfurt und Dortmund befinden sich in überragender Verfassung.

Haaland stemmte sich mit fast schon aggressiver Körperhaltung vehement gegen einen Punktverlust im Spiel gegen den abstiegsbedrohten Effzeh. Sein mittlerweile wettbewerbsübergreifender zwölfter Mehrfachpack verhalf letztlich dennoch nicht zum Sieg, aber zementiert Haalands Status als Generational Talent.

Silva baute beim 5:2-Sieg gegen Union Berlin sein Tor-Konto auf 21 Treffer aus. Einen weiteren Treffer legte der Portugiese auf und sammelte nun fünf Scorer-Punkte aus den letzten vier Partien. Mit 21 Toren aus 26 Spielen hätten die beiden in den anderen vier lewandowskifreien Top-Ligen Europas realistische Chancen, die Saison als Top-Torschütze zu beenden.

Jogis übersehene EM-Anwärter

In nicht einmal drei Monaten startet mit der coronabedingt verlegten Europa-Meisterschaft Jogi Löws letztes großes Turnier als deutscher Bundestrainer. Ein Erfolg wäre Genugtuung für den in der jüngeren Vergangenheit öffentlich angezahlten Schwaben. Sogar eine Rückhol-Aktion der aussortierten Weltmeister Müller und Hummels stellt Löw für das übergeordnete Ziel einer gelungen Europa-Meisterschaft in Aussicht.

Umso verwunderlicher, warum einige konstant in Top-Form spielende Kicker weiter nicht berücksichtigt werden. Kevin Volland trumpft in Monaco unter Kovac als Torschütze, Vorlagengeber und Kombinationsspieler auf und stellt sogar den unangefochtenen Wissam Ben Yedder in den Schatten. Maxi Arnold brilliert als Laufwunder und Motor in der Zentrale der stärksten Wolfsburger Mannschaft seit Jahren. Max Kruse macht das, was er egal in welchem Trikot seit Jahren macht. Mit seiner Spielintelligenz und technischem Finesse das Offensiv-Spiel seiner Mannschaft lenken.

Auch an diesem Spieltag waren Doppeltorschütze und Kruse und Maxi Arnold zwei der prägendsten Figuren. Für die kommende Länderspiel-Pause ist dennoch wieder einmal keiner der drei Übersehenen nominiert.

Rückblick – 25.Spieltag

Spieler des Spieltags: Thomas Müller

Nach der Ausbootung in Folge des WM-Aus von 2018 drehte Thomas Müller im Trikot der Bayern nochmal richtig auf. Zeitgleich mit der Bekanntgabe des Rücktritts von Weltmeister-Trainer Joachim Löw nach der Europameisterschaft in diesem Jahr wurde nun auch die Tür für eine Rückkehr des „Raumdeuters“ geöffnet. Eine Geste der Anerkennung des Bundestrainers, aber offensichtlich kein Grund für Müller, den Fuß vom Pedal zu nehmen.

Beim 3:1-Sieg gegen Bremen legte Müller in Weltklasse-Manier erneut doppelt auf. Einmal per kluger Kopfball-Ablage für Leon Goretzka und einmal technisch herausragend auf engstem Raum für Serge Gnabry nach einer überragenden Kombination. Als torgefährlicher Zehner mit brillantem Auge für den Nebenmann dürfte in der Startelf des deutschen Teams bei der Euro wohl kein Weg an Müller vorbeiführen.

Der Stuttgarter Serientäter

Einen 25 Jahre alten Vereinsrekord des Frankfurter Sportvorstands Fredi Bobic hat Sasa Kalajdzic am Wochenende gegen die TSG Hoffenheim eingestellt. Dieser hatte in der Saison 1995/96 nämlich sieben Mal in Serie für die Schwaben getroffen. Einen Rekord, den der 2m-große Österreicher nun am nächsten Spieltag gegen die Bayern versuchen zu brechen wird.

Das Besondere an Kalajdzic neben seiner Abschluss- und Kopfballstärke ist seine trotz seiner Körpergröße auffallende technische Beschlagenheit. Kein Wunder also, dass er den Angriff zum 1:0, den am Ende der Hoffenheimer Kasim Adams selbst über die Linie drückte, versuchte mit der Hacke zu vollenden. Trainer Pellegrini Mattarazzo war nach Schlusspfiff beim 2:0-Heimsieg gegen die TSG jedenfalls voll des Lobes für den 23-jährigen: „Das freut mich natürlich für Sasa, dass er so viele Spiele nacheinander getroffen hat. Er verteidigt gut, kombiniert gut, setzt seine Mitspieler gut ein.“

Kein Bock auf Europa

Die Einführung der UEFA Conference League ist wohl der Gipfel der Schwachsinnigkeit, einer Organisation, die scheinbar nur noch von Profitgier gelenkt ist. Während die jüngere Vergangenheit gezeigt hat, dass selbst die Motivation für die höherklassige Europa-League bei einigen Vereinen aus den Top5-Ligen nur bedingt gegeben ist, kommt nächste Saison eine an Irrelevanz kaum zu überbietende Liga an den Start.

Mit geringfügigen finanziellen Anreizen sollen Teams ihre Ruhephasen zwischen den Liga-Partien bei Auswärtsspielen gegen unbekannte Vereine aus den Niederungen des europäischen Klubfußballs opfern. Die Qualifikation für die Europa-League über einen Triumph in der Conference League dürfte als Motivationsspritze wohl kaum reichen und wirkt schon fast wie unangebrachter Spott. Max Kruse vom Europa-Anwärter Union Berlin wird jedenfalls vielen Fußballern aus der Seele sprechen, wenn er sagt: „Auf die Europa League hätte ich Bock. Auf die Conference League hätte ich keinen Bock, ich weiß nicht mal, was das ist.“

Rückblick – 24.Spieltag

Spieler des Spieltags: Robert Lewandowski

„Lewandowski vs Haaland“ war häufig Titel der Berichterstattung der Sportmedien im Vorfeld des „Klassikers“. Nach zehn Minuten zeigte sich bereits, dass zumindest der Norweger auf dem Feld steht, um die Erwartungen zu erfüllen. Mit seinen ersten beiden Torschüssen stellte er auf 0:2 für seine Borussia.

Was dann folgte, waren wütende Bayern, die ihre Rivalen mit absurd hohem Angriffs-Pressing über die restliche Spielzeit in die Defensive drängten. Haupt-Protagonist: der auf Gerd Müllers Spuren wandelnde Lewandowski, der Haalands Doppelpack mit seinen Saison-Toren 29, 30 und 31 konterte und wieder einmal Matchwinner beim am Ende höchst verdienten 4:2-Siegs der Münchener war.

Die Rose-Krise verschärft sich

Die Fans hat er nach Bekanntgabe seines Wechsels zum Ligakonkurrenten aus Dortmund nicht mehr auf seiner Seite. Aber gab es auch einen Bruch zwischen dem scheidenden Trainer Marco Rose und seiner Mannschaft? Abwechselnde Dementi und neu aufflammende Gerüchte zum angeblichen Missverhältnis gibt es beinahe täglich.

Leistung und Ergebnisse zeigen jedenfalls einen klaren Negativ-Trend. Gegen ebenfalls krisengebeutelte Leverkusener setzte es Gladbachs vierte Niederlage in Folge. Während die Defensive weitestgehend stabil stand, scheint die hochgelobte Offensive Woche für Woche an Durchschlagskraft einzubüßen. Nur drei Schüsse gingen aufs Gehäuse des jungen Leverkusener Keepers Lennart Grill. Zu wenig Punch für ein Team, das mit dem Rücken zur Wand steht und dringend punkten sollte, um seine Chance zur Qualifikation auf das internationale Geschäft zu wahren. Eventuell fehlt dem aktuellen Coach schlicht die Glaubwürdigkeit, sein Team für den Endspurt zum Erreichen der Saisonziele heiß zu machen.

Paolo Otavio wird zum Meme

Es läuft die 94.Spielminute. Der Hoffenheimer Munas Dabbur läuft nach einer Ecke der Wolfsburger an dem mit nach vorne gerückten Koen Casteels vorbei zum 3:1 auf das leere Gäste-Tor zu, um dem ohnehin entschiedenen Spiel den Deckel draufzumachen. Dabei hat er die Rechnung ohne Wolfsburgs Karate-Kid Paolo Otavio gemacht. Mit dem gefühlt schnellsten Sprint des Spieltages machte er mehrere Meter auf den enteilten Dabbur gut, um ihn mit einer abgesprungenen Scherengrätsche von den Beinen zu holen.

Die Frage, die bleibt, ist die nach dem Warum. Otavio hatte sich bereits seine fünfte gelbe Karte abgeholt, wird durch seine Kurzschluss-Reaktion nun aber wohl für längere Zeit gesperrt, nur um bei Wiederrückkehr erneut kurz vor der Gelbsperre zu stehen. Eine Chance auf den Ball oder das uneigennützige Opfern für die Möglichkeit eines späteren Ausgleichs war auch nicht im Ansatz gegeben. Das Einzige, was der kleine Brasilianer erreicht hat, ist, sich per Schnellverfahren zum Kult-Kicker und Fan-Lieblings zu machen und das Internet für ein paar Tage mit unzähligen Memes zu seiner Aktion zu fluten.

Rückblick – 23.Spieltag

Spieler des Spieltags: Koen Casteels

666 Minuten lang musste der belgische Schlussmann der Wölfe nicht mehr hinter sich greifen um den Ball aus dem Netz zu fischen. Der 884 Minuten anhaltende gegentorlose Rekord des deutschen Ex-Nationaltorwarts Timo Hildebrand scheint angesichts der nächsten Gegner zum Greifen nah.

Das 2:0 gegen die Hertha ist nun das siebte Spiel in Folge, in dem das Grün-Weiße-Bollwerk gegentorlos blieb. Maßgeblichen Anteil an der besten Defensive der Liga des Champions-League-Aspiranten hat der spielstarke belgische Nationaltorhüter. Seit Wochen schon hext, der 2 Meter lange Casteels, die wenigen Chancen die die auf dem gesamten Platz diszipliniert verteidigenden Wolfsburger zulassen aus dem Kasten.

Mit zwei starken Paraden gegen Zeefuik und Tousart bewies Casteels wieder einmal seine herausragende Klasse auf der Linie und wusste nebenbei wie immer durch sichere Strafraumbeherrschung und einen technisch sauberen, präzisen Spielaufbau zu überzeugen.

Revolte der Hoffnungsträger

Die Saison der bemitleidenswerten Schalker wirkt mittlerweile wie eine gescriptete Daily-Soap. Neuer Mittelpunkt des Dramas sind die drei als Anführer und Hoffnungsträger verpflichteten Routiniers Kolasinac, Huntelaar und Mustafi. Gemeinsam mit Torwart Ralf Fährmann sollen sie im Vorfeld des Stuttgart-Spiels die Vereinsführung um eine Entlassung des Cheftrainers Christian Gross gebeten haben.

Ursache des Ärgers, die Zerfahrenheit des 66-jährigen Schweizers, die sich immer häufiger in von der Presse dankend angenommenen Verwechslungen und Namensdrehern äußert. Gepaart mit der wachsenden Unzufriedenheit durch unangemessene Trainingsmethoden und nicht ausreichender taktischer Vorbereitung zu viel, um Hoffnung auf einen königsblauen Umschwung zu machen. Vor Beginn der Schmach in Stuttgart versuchte die Führung noch geschlossen den Dolchstoß aus der Mannschaft als medieninszeniertes Märchen abzutun. Die PK nach dem Spiel vermittelte aber ein anderes Bild. Gross zeigte sich enttäuscht, ob der hinter seinem Rücken stattfindenden Kommunikation und ließ seine Enttäuschung raushören.

Eine Suspendierung der Anschwärzer hatte der geplante Sturz des Trainers nicht zur Folge. Stattdessen gab es ein Personalbeben auf Schalke. Mit Christian Gross, Sportvorstand Jochen Schneider, dem Koordinator der Lizenzspielerabteilung Sascha Riether und Athletik-Coach Werner Leuthard wurde nahezu die gesamte sportliche Führung auf einen Schlag entlassen. Mit dem unerfahrenen und in der jüngeren Vergangenheit bereits einmal angelehnten Dimitrios Grammozis hat der neue Hauptverantwortliche Peter Knäbel inzwischen den fünften Trainer dieser Saison präsentiert, der sich der Mammutaufgabe Schalke 04 annimmt.

Nordische Kühlheit

Wenig Tempo, wenig Kreativität, wenig Ballbesitz. Zusammengefasst ist das Werder Bremens Offensivfußball in dieser Saison. Das einstige Bremer Markenzeichen, die Angriffs-Power mit klangvollen Namen à la Klose, Diego oder Micoud ist nicht einmal mehr im Ansatz zu erkennen. Fußballdeutschland scheint sich einig, die Elf von der Weser hat sich über die Jahre zu einer der unattraktivsten Mannschaften der Liga entwickelt.

Nichtdestotrotz stehen die Bremer mit 26 Zählern aus 22 Spielen besser da, als es die öffentliche Wahrnehmung des Vereins vermuten lassen würde. Denn zumindest die Defensive der Hansestädter hat sich durch den destruktiven Spielstil merklich verbessert. Mit nur 32 Gegentoren hat man ebenso wenig zugelassen wie der Tabellenführer aus München. Außerdem ist das Freitagabend-Spiel gegen formstarke Frankfurter (2:1) ein weiterer Beleg, dass eine neue Qualität der Bremer scheint deutlich bessere Gegner auf ihr bescheidenes Niveau herunterzuziehen. Wenn dann die wenigen erspielten Torchancen ertragreich abgeschlossen werden, führt die hanseatische Nüchternheit für das Fernbleiben sämtlicher Abstiegsängste.