Rückblick – 21. Spieltag

Spieler des Spieltags: Sami Khedira

Ausgerechnet zu seinem langjährigen Jugendverein, erstem Profi- und Herzens-Klub, dem VFB Stuttgart, führte es Sami Khedira in seinem ersten Auswärtsspiel im Trikot der Hertha. In den ersten 45 Minuten wurden die Berliner regelrecht an die Wand gespielt und lagen verdient zur Pause mit 1:0 hinten. Doch in der zweiten Halbzeit, insbesondere mit der Einwechslung Khediras nach einer knappen Stunde, wendeten sich die Spielanteile deutlich zugunsten des Hauptstadt-Klubs.

Über die gesamte halbe Stunde verkörperte Khedira den weitgereisten, spielintelligenten und abgeklärten Routinier, den sich Verantwortliche und Investoren-Team mit dem Transfer erhofft haben. Die meisten der zahlreichen Hertha-Angriffe wurden über ihn initiiert. Von seinen 24 gespielten Pässen brachte der Weltmeister über 87% an den Mann. In nur einer halben Stunde Spielzeit war der Deutsch-Tunesier außerdem der Spieler mit den zweitmeisten ausgeübten Tackles in der Mercedes-Benz-Arena. Seinen punktrettenden Glanzmoment hatte der Rückkehrer dann in der 82.Minute, als er das eingelaufene Berliner Tafelsilber Lucas Netz mit einem perfekt getimten Chipball in den 16er zum 1:1 auf die Reise schickte.

Es lebe der Pazifismus

Lediglich die formstarken Leipziger und Frankfurter konnten in ihren Heimspielen gegen Augsburg respektive Köln als Sieger vom Platz gehen. Die anderen 14 Bundesliga-Klubs sorgten für einen neuen Bundesliga-Rekord. Auf allen sieben Plätzen ging man schiedlich friedlich mit Unentschieden vom Platz. Am Montagabend gelang es nicht einmal, den hochfavorisierten Münchnern ihre Aufholjagd gegen frech aufspielende Arminen in drei Punkte umzumünzen.

Von diesem winterlichen Kuschelkurs ließen sich offensichtlich auch die Unparteiischen anstecken, die nicht einen einzigen Platzverweis aussprechen mussten. Dementsprechend gab es wenig Bewegung auf den entscheidenden Tabellen-Plätzen. Eine verpasste Chance, insbesondere für die abgeschlagenen Schalker. Nur RB und die Frankfurter Adler konnten dieses harmonische Wochenende also für sich nutzen und ihren derzeitigen Champions-League-Platz weiter zementieren.

Dortmund bekommt ihren Sehnsuchtstrainer

Die Ausstiegsklasusel wurde gezogen. Der Deal ist unter Dach und Fach. Marco Rose wechselt zur nächsten Saison aus Mönchengladbach ins Ruhrgebiet zur größeren Borussia.

Eine dunkle Wolke schwebte seit dem Abgang Jürgen Klopps über dem Trainerstuhl der Schwarz-Gelben. Thomas Tuchel, Peter Bosz und Lucien Favre sind zweifelsfrei alle Fußball-Fachmänner aus dem obersten Regal, die aber nicht für langfristige Zufriedenheit des Dortmunder Anhangs sorgen konnten. Zu sehr sehnte man sich durch das langjährige Wirken des Erfolgs-Vaters Klopp nach einem charismatischen, humorvollen und volksnahem Übungsleiter. Alles fehlende Attribute, die seinen Nachfolgern in Dortmund zur Last gefallen sind.

Mit Rose hat man endlich einen legitimen Nachfolger gefunden, der taktische Detailverliebtheit und eine klare Spielidee mit Kloppschen Soft-Skill-Kompetenzen verbindet. Mit Klopp stand Rose als Spieler von Mainz 05 sogar viele Partien zusammen auf dem Platz und schaffte mit ihm als Trainer den Mainzer Aufstieg in die deutsche Fußball-Beletage.

Nächste Saison hat der gebürtige Leipziger Zeit zu beweisen, dass in Dortmunds Kader deutlich mehr Talent steckt als die momentanen Auftritte des Revier-Klubs andeuten und die Fußstapfen der Dortmunder Vereins-Legende nicht zwangsläufig zu groß sein müssen.