Rückblick – 5. Spieltag

Spieler des Spieltages – Robert Lewandowski

10 Saisontore ist eine Marke, die man einem Startelf-Stürmer eines durchschnittlichen Bundesliga-Vereins schon als ordentlichen Leistungsnachweis am Ende der Saison attestieren würde. Robert Lewandowski braucht dafür gerade einmal fünf Spiele, die lange nicht alle über 90 Minuten absolviert wurden.

Der Pole hat seine Weltklasse-Form der abgelaufenen Erfolgs-Saison nicht nur konserviert, sondern weiter steigern können. Mit ebenfalls formstarken Konkurrenten wie Erling Haaland oder Andrej Kramaric ist er bei Weitem nicht der Einzige, der regelmäßig trifft, und doch scheint er in seiner eigenen Liga zu spielen. Robert Lewandowski vs Robert Lewandowski.

Bei ihm scheint der Ibrahimovic-Effekt in vollem Ausmaß einzusetzen. Mit zunehmendem Alter wird der Pole immer besser und treffsicherer. Gegen Frankfurt gelang der zweite Hattrick in dieser Saison. Dabei zeigte sich wiederholt die Vielseitigkeit des inzwischen mit Sicherheit besten Mittelstürmers der Welt. Ein Tor per Kopf, eines mit dem linken und eines mit dem rechten Fuß.

Leipzigs unberechenbare Startelf-Rochaden

Von Timo Werner spricht in Leipzig mittlerweile keiner mehr. Der Leipziger Top-Scorer der vergangenen Saison ist adäquat ersetzt worden. Durch keinen Top-Transfer als 1:1 Ersatz, sondern durch das ganze Kollektiv.

Nagelsmanns Leipzig ist über die Jahre zu einer beängstigend gut eingespielten Mannschaft geworden, die in ihrer taktischen Flexibilität kaum auszurechnen ist. Außenverteidiger Angelino ist als Schienenspieler im 5-3-2 plötzlich zum Torjäger und Kopfball-Ungeheuer mutiert, die drei Fußball-Feingeister Forsberg, Olmo und Nkunku legen sich in vorderster Front ohne echten Stürmer den Gegner nach Belieben zurecht und die Skandinavien-Kanten Poulsen und Sörloth bringen bei Einwechslung noch mehr Gefahr durch ihre brachiale Körperlichkeit ins Spiel.

In kaum einem Spiel wird bei Leipzig bis auf den Torwart nicht auf jeder Position rotiert. Man könnte meinen, dass der Spielfluss darunter leide, wenn sich kein festes Gerüst einspielen kann. Doch bei Leipzig greift, egal in welcher taktischen Formation oder personellen Besetzung, ein Zahnrad ins Nächste. So gelingt es den roten Bullen trotz Dreifach-Belastung körperlich frisch zu bleiben. Diesen Spieltag gab es einen ungefährdeten 2:1 Heimsieg gegen die Hertha. Sollte dieses Jahr die Punkteausbeute gegen die anderen Top-Teams der Liga besser ausfallen, ist eine erste Meisterschaft der Sachsen ein denkbares Szenario.

Bremer Rückbesinnung auf die Basics

Eigentlich wollte Florian Kohfeldt sich einen Namen dafür machen, die Spielkultur zurück an die Weser bringen. In seiner ersten Saison gelang das den Bremern auch sehr gut. Letzte Saison wurde dieser kreative, offensive Spiel-Ansatz aber fast mit dem Abstieg abgestraft. Besonders in der Verletzungs-Misere schien der Bremer Kader individuell zu schwach besetzt, um als spielbestimmende Mannschaft auf Strecke genügend Punkte einzufahren.

In dieser Saison gibt es den kompromisslosen Turn-Around. In jedem bisherigen Saison-Spiel, war Bremen die Mannschaft mit dem oft sogar deutlich geringeren Ballbesitz-Anteilen. Unterschied zur letzten Saison ist aber auch, dass mit dieser Igel-Taktik bisher deutlich besser gepunktet wird. Nach dem 1:1 gegen Hoffenheim stehen die Grün-Weißen nun mit acht Punkten nach fünf Spieltagen auf dem siebten Tabellen-Platz.

Der stark angezählte Bremer Coach mag vielleicht seine lobenswerte Spiel-Philosophie vorerst geopfert haben, aber scheinbar mit dem Resultat der Rückkehr des sportlichen Erfolges.

Rückblick – 4. Spieltag

Spieler des Tages: Gonzalo Castro

Die Überraschungsmannschaft des Saisonauftakts sind die Bundesliga-Rückkehrer aus Stuttgart. Nach vier Spielen haben die Schwaben bereits sieben Punkte auf dem Konto. Vor Allem offensiv konnte der junge Kader mit neun erzielten Toren bereits glänzen. Mit Spielern wie Sasa Kalajdzic, Silas Wamangituka oder Tanguy Coulibaly scheint Top-Scout Sven Mislintat wieder einmal sein berüchtigtes „Diamanten-Auge“ bewiesen zu haben.

Dass das Spiel der Materazzo-Elf momentan so gut harmoniert, liegt aber auch daran, dass die Erfahreneren ihre Leader-Rolle annehmen und darin aufgehen. Kapitän und Bundesliga-Urgestein Gonzalo Castro hat im Auswärtsspiel gegen die Hertha einmal mehr gezeigt, dass er als Antreiber und Ballverteiler im Mittelfeld unverzichtbar ist. Bis zu seiner Auswechslung zwei Minuten vor Abpiff lieferte Castro ein in seiner Einfachheit und Schnörkellosigkeit nahezu makelloses Spiel. Zudem machte er mit dem sehenswerten 2:0 zu einem psychologisch wertvollem Zeitpunkt den Deckel drauf. Nach eigener Balleroberung und doppeltem Doppelpass schweißte Castro die Kugel aus 20 Metern Torentfernung trocken ein.

Aus der Not wird eine Tugend

Die Innenverteidiger-Positionen neben Mats Hummels gelten bei den Borussen nicht selten als Achillesferse im Defensiv-Verbund. Der mit vielen Vorschuss-Lorbeeren gekaufte Manuel Akanji bleibt bis heute weit hinter den Erwartungen zurück. Dan-Axel Zagadou zeigte oft vielversprechende Ansätze, ist aber häufig Opfer seiner Verletzungsanfälligkeit geworden, bevor er sich endgültig festspielen konnte. Defensiv-Allrounder Emre Can kann seine Dynamik auf der Sechser-Position besser ausspielen und ist zu sehr „Bruder Leichtfuß“, um die Rolle des Innenverteidigers seriös genug zu interpretieren.

Also nahm den Platz neben Hummels in der vergangenen Rückrunde und dem Saisonauftakt größtenteils die alternde Vereins-Legende Lukasz Piszszek ein. Die Position spielte der Pole auch meistens ordentlich. Allerdings sind die nachlassende Geschwindigkeit und Dynamik des früheren Stürmers nicht von der Hand zu weisen. Als Piszczek gegen Hoffenheim nach 20 Minuten verletzungsbedingt das Feld verließ, musste der Däne Thomas Delaney einspringen. Über die verbliebende Spielzeit ließ der gelernte Sechser gar nichts anbrennen und wusste mit einem ruhigen, sicheren Spielaufbau zu überzeugen. Gut möglich, dass Favre nun aus der Not heraus eine Qualitätssteigerung in der Abwehr-Zentrale bekommt, die eine potenzielle Startelf-Option für die restliche Saison werden kann.

Unter Überlastung leidet der Spielfluss

In einer Sache waren sich Fans, Funktionäre, Spieler und Trainer einig. Die vergangene Länderspiel-Pause hat zu viel von den Profis abverlangt. Erling Haaland stand beispielsweise innerhalb von acht Tagen zweimal 90 und einmal 120 Minuten für die norwegische Nationalmannschaft auf dem Platz. Durch die Corona-Verzerrung und das saisonabschließende EM-Turnier sind viele Profis ohnehin schon einer noch nie dagewesenen Dichte an Pflicht-Spielen im Termin-Kalender ausgesetzt. Da muten die Spiele in der nahezu bedeutungslosen UEFA Nations-League wie die Krone der Absurdität an.

Diese Überlastung zeigte sich dann auch vermehrt auf dem Rasen. Entweder traten die übermüdeten Länderspiel-Rückkehrer an, oder die Trainer ließen zur Schonung ihrer Reisenden völlig durchgewürfelte Start-Formationen auflaufen, die in keiner Weise einen eingespielten Eindruck machten. So war das Spiel der Bayern in Bielefeld am ganzen Spieltag das Einzige, in dem mehr als zwei Tore fielen. Krampf statt Klasse war Motto des Spieltages, dass eher an einen durchschnittlichen Zweitliga-Spieltag erinnerte.

Stellvertretend für das Gesamtbild steht das Spiel der Leverkusener Werks-Elf beim Liga-Schlusslicht aus Mainz. Über 90 Minuten schoss die Heimmannschaft nicht ein einziges Mal auf das gegnerische Tor, und auch die hochtalentierte Leverkusener Offensive ließ selten Kreativität aufblitzen. Bezeichnend, dass das Tor des Tages in diesem Grusel-Kick nach einer Ecke fiel. Bleibt zu hoffen, dass die Kontinental-Verbände diesen Spieltag als Warnung in die Planung künftiger Länderspiel-Pausen einfließen lassen.

Rückblick – 3.Spieltag

Spieler des Spieltages: Robert Lewandowski

Bei bisher erst einem Saisontor stand der Pole vor dem Spiel gegen die Hertha. Im zweiten Saisonspiel gegen Hoffenheim wurde er aufgrund der hohen Belastung sogar erst spät eingewechselt. Für den Anspruch des Perfektionisten, die Torjäger-Kanone das vierte Jahr in Folge zu gewinnen, nicht genug.

Gegen die Hertha netzte er dann viermal ein, um das packende Spiel im Alleingang in typischer Lewandowski-Manier zu entscheiden. Wer die Tore gegen die Hertha nimmt, um einen Eindruck von Lewandowskis Spielweise zu bekommen, hat perfektes Anschauungsmaterial geliefert bekommen. Zweimal der am schnellsten schaltende Spieler im Strafraum (1:0, 3:2), dazu Kaltschnäuzigkeit vom Punkt in einer Drucksituation (4:3) und ein Paradebeispiel schier unmöglicher Körperbeherrschung (2:0). Mit dem Ball am Fuß hatte sich der Buli-Spieler des Jahres 2019/20 um die eigene Achse gedreht, dabei drei Hertha-Spieler aus dem Spiel genommen und aus sehr spitzem Winkel den Ball mit einem aus der Bewegung beeindruckendem Speed in die Maschen geschweißt.

Der ausbleibende Trainer-Effekt

Sowohl bei Mainz 05 als auch bei den Königsblauen Schalkern stand an diesem Spieltag erstmals ein neuer Coach an der Seitenlinie. Für die Schalker Manuel Baum mit Vereins-Koryphäe Naldo als Co-Trainer bei den Mainzern interimsweise der bisherige Co Achim Beierlorzers – Jan Moritz Lichte. Im Regelfall zeigt sich eine Mannschaft im ersten Spiel unter neuer Führung zumindest in puncto Leidenschaft und Einsatzbereitschaft deutlich verbessert und fährt oft auch bessere Ergebnisse ein. Dieser Effekt kam diesen Spieltag nicht einmal ansatzweise zum Tragen.

Im ersten Spiel unter Lichte setzte es für die Mainzer in deren über 90 Minuten wohl schwächstem Saison-Spiel eine deftige 4:0-Schlappe gegen die Abstiegskampf-Konkurrenten von Union Berlin. Auch Schalke musste sich gegen die zugegeben favorisierten Leipziger mit 4:0 geschlagen geben. Konnte man über das gesamte Spiel keine Offensiv-Gefahr ausstrahlen, standen die Knappen zumindest in der Anfangsphase defensiv noch sehr kompakt. Nach dem 1:0 für die Leipziger war der Widerstand aber vollständig gebrochen, und es segelten im Minutentakt Angriffe in den Schalker Strafraum. Noch vor der Pause stand es 3:0 für die Heimmannschaft. Hätten die Leipziger nicht irgendwann den Fuß vom Gas genommen und ihre Angriffe konsequenter zu Ende gespielt, wäre ein bayernartiges Debakel denkbar gewesen. Im Moment gibt es bei beiden Vereinen wenig Anzeichen für eine Trendwende.

Dortmunds Teenies überrollen die Liga

Mit Erling Haland, Gio Reyna, Jude Bellingham und dem später eingewechselten Reinier standen beim 4:0 Sieg der Schwarz-Gelben über den SC Freiburg gleich vier Spieler auf dem Platz, die 20 Jahre oder jünger sind. Auffällig war vor allem das neue Traum-Duo Haland/Reyna, dass an allen vier Toren beteiligt war. Beide Tore des norwegischen Sturmtanks legte der leichtfüßig aufspielende Reyna vor. Die Vorlage zum zwischenzeitlichen 2:0 durch Emre Can kam ebenfalls vom US-Boy der 4:0 Schluss-Treffer durch Felix Passlack wurde uneigennützig von Haland quergelegt. Reyna legte sogar einen ewigen Rekord vor. Er ist der jüngste Buli-Spieler aller Zeiten, dem in einem Spiel drei oder mehr direkte Torvorlagen gelangen.