Rückblick – 34. Spieltag

Spieler des Spieltags: Ritsu Doan

Himmel und Hölle lagen für Arminia Bielefeld, den SV Werder Bremen und den 1.FC Köln am letzten Spieltag nah beieinander. Je nach eigenem Spielausgang und dem der Konkurrenz auf den anderen Plätzen war für die drei Vereine vom Abstieg über den Relegationsplatz bis zum gesicherten Klassenerhalt alles drin. Vor Anpfiff der Partien war die DSC knapp vor Werder Bremen auf dem 15.Tabellenplatz in der Pole Position im Abstiegskampf.

Mit dem 0:2-Sieg beim VFB Stuttgart bauten die Arminen letztendlich ihren Vorsprung aus und konnten sich direkt in der obersten Spielklasse halten. Eine kämpferisch und läuferisch vorbildliche Mannschaftsleistung bildete das Fundament des so wichtigen Siegs der Ostwestfalen.

Für den spielentscheidenden Einfluss an fußballerischer Klasse und Torgefahr sorgte jedoch wiederholt Bielefelds japanischer Tempodribbler Ritsu Doan. Bei nahezu jeder Offensivaktion beteiligt, ließ Doan in der ersten Halbzeit schon mit einem sehenswerten Schlenzer an den Pfosten aufhorchen. Nach Führung per Elfmeter durch DSC-Kapitän und Vereinslegende Fabian Klos schob Doan in der 72 Minute nach Außenristablage von Andreas Voglsammer und anschließendem Dribbling im Fünfmeterraum nervenstark zum 0:2 ein.

Historischer Rekord und große Abschieds-Gala

Der letzte Spieltag der Bundesliga hatte mal wieder einiges an emotionalen Rettungen, sentimentalen Abschieden und Gesten großen Sportlergeistes parat. Neben dem Klassenerhalt der Bielefelder wäre da unter anderem der Last-Minute-Torrekord Robert Lewandowskis.

Nachdem er zuvor aus allen Lagen aufs Tor schoss, aber wieder und wieder im polnischen Landsmann Rafael Glikiewisz seinen Meister fand, war es in der Nachspielzeit endlich so weit. Einen Schuss von Leroy Sané ließ der ansonsten überragende Augsburger Schlussmann unglücklich vor die Füße Lewandowskis abprallen. Durch seinen Abstauber ist der Weltfußballer mit seinem 41. Saisontor, nun an Gerd Müller vorbeigezogen und alleiniger bester Saison-Torschütze der Bundesliga-Geschichte. Im Interview nach dem Spiel zeigte sich der ehrgeizige Rekordtorschütze ungewohnt gelöst und erklärte schmunzelnd: „Du musst geduldig bleiben. Da musst du ein bisschen kämpfen, um den Rekord zu brechen. Dass ich es in der letzten Minute geschafft habe, ist auch eine historische Geschichte“.

Rührend wurde es dann auf dem Grün des Dortmunder Signal Iduna Parks. Mit Lukasz Piszczek, den Bender-Zwillingen und Schiedsrichter Manuel Gräfe wurden gleich vier prägende Gesichter der Bundesliga verabschiedet. Höhepunkt der Abschiedszeremonie war die Einwechslung des Bayer-Kapitäns Lars Bender für seinen Zwillingsbruder Sven. In der 89.Minute durfte der Eingewechselte im letzten Karrierespiel einen Elfmeter für die Leverkusener treten, den Dortmunds Keeper Roman Bürki lächelnd absichtlich passieren ließ. Dem nach Polen zurückkehrenden Dauerbrenner Piszczek wurde über 90 Minuten mit einem überdimensionalen Trikot inklusive Dankesbanner auf der leeren Südtribüne gehuldigt. Bei seiner Auswechslung wurde der verdiente Borusse von seiner Spalier stehenden Mannschaft umjubelt.

Auch der altersbedingt ausscheidende Schiedsrichter Gräfe bekam einen besonderen Moment geschenkt. Er wurde nach Abpfiff von Spielern und Verantwortlichen beider Vereine mit Standing Ovations verabschiedet. Das Geschehen auf dem Feld des NRW-Duells verkam bei dieser emotionsgeladenen Veranstaltung lediglich zu nett anzuschauendem Beiwerk.

Nervenstarke Kölner

Kölns Rettung auf den Relegationsplatz beim Heimspiel gegen frei aufspielende Schalker hatte alle Zutaten eines packenden Thrillers. Aus anfänglicher Verzweiflung am Schalker Torwart Ralf Fährmann folgten dramatische Schiedsrichterentscheidungen und schließlich ein Happy-End durch die Tat eines wahren Helden.

Durch die frühe Demontage der Bremer beim Parallelspiel gegen Gladbach war früh klar, dass den Geißböcken ein Sieg mindestens für das Erreichen des Relegationsplatz reicht. Angetrieben durch den unermüdlichen Kapitän Jonas Hector entwickelten sich nach gemächlichem Anfang regelrechte Sturmläufe auf das Gehäuse der Gelsenkirchener. Nach zahlreichen vergebenen Torchancen und Paraden des Schalker Schlussmanns fiel in der 71.Minute das erlösende Tor für die Kölner. Eine Freistoßflanke Hectors verwertete Sebastian Andersson am langen Pfosten aus spitzem Winkel zum 1:0.

Nach einem Check durch den Videoreferee wurde der Treffer unter lautstarkem Protest der Kölner aber wieder aberkannt. Ein Eingriff, der nicht nur Kölns Verantwortlichen Horst Heldt und Friedhelm Funkel die Zornesröte ins Gesicht trieb. Höchst zweifelhaft war die Entscheidung angesichts sehr leichten Blockens Salih Özcans gegen Schalkes Sané bei der Entstehung des Tores. Fünf Minuten vor Schluss verwandelte ausgerechnet ein tragischer Held das RheinEnergie Stadion in ein Tollhaus. Eine Flanke des Kölner Eigengewächses Yannik Thielmann nickte der belgische Innenverteidiger Sebastian Bornauw zum Siegtreffer ein.

Eine weitere märchenhafte Geschichte des letzten Spieltags war es doch ausgerechnet Bornauw, der zum Helden wurde. Drei Monate zuvor kämpfte der Torschütze noch um sein Leben. Durch OP-Komplikationen bei einer Tumor-Entfernung an der Wirbelsäule wurde Bornauw sogar für 24 Stunden in ein künstliches Koma versetzt, um lebenserhaltende Maßnahmen einzuleiten.

Rückblick – 33. Spieltag

Spieler des Spieltags: Maximilian Philipp

Maxi Philipp möchte nach seiner Leihe von Dinamo Moskau gerne bei den Wölfen bleiben. Sein derzeitiger Arbeitgeber aus Niedersachsen scheint auch nicht abgeneigt, ließ zuletzt aber die 11-Millionen-Klausel des Russland-Legionärs verstreichen. Werbung in eigener Sache machte der beidfüßige Offensiv-Allrounder jetzt beim Spitzenspiel in Leipzig. Mit seinem Doppelpack sorgte Philipp nun auch rechnerisch für die Champions-League-Qualifikation des Werksklubs.

Mit seinem Volley in den Winkel zur 1:0-Führung der Wolfsburger schoss der Leihspieler außerdem das wohl schönste Tor des Spieltags. Auch sein 2:0 zu einem psychologisch günstigen Zeitpunkt unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff wird Manager Jörg Schmadtke auf der Tribüne als weiteres Kaufargument wahrgenommen haben. Mit fünf Toren und zwei Vorlagen in 23 überwiegend als Joker eingesetzten Spielen ließt sich die Arbeitsbilanz des gebürtigen Berliners ordentlich. Um eine echte Verstärkung für eine Champions-League-Mannschaft zu sein, muss Philipp es aber schaffen, dem Spiel noch mehr seinen Stempel aufzudrücken. Der Doppelpack gegen die Roten Bullen täuscht über sein sonst unauffälliges Spiel mit insgesamt nur 22 Ballkontakten hinweg.

Die Bomber der Nation

Trotz fünf durch Verletzung verpasster Spiele hat Robert Lewandowski es nun tatsächlich geschafft. Mit dem 0:1 in Freiburg erzielte der Weltfußballer sein 40.Saisontor und egalisierte den uneinholbar geglaubten Uralt-Torrekord Gerd Müllers. Ähnlich beeindruckend wie die sportliche Leistung des neuen „Bomber der Nation“ ist seine Respektsbekundung an die Bayern-Legende. Mit einem Gruß per T-Shirt huldigte Lewandowski dem Bundesliga-Rekordtorschützen. Eine Geste der Bescheidenheit und des guten Stils der oft so egoistisch erscheinenden Tormaschine.

Seine vergebene Torchance in der zweiten Halbzeit wirkt dann schon fast so, als sei es ihm unangenehm, alleiniger Rekordhalter für die meisten Tore in einer Saison zu werden. Aus zwei Metern auf quasi freies Tor schob Lewandowski Freiburgs Schlussmann Flecken einen Ball in die Arme. Ein absurder Fehlschuss, der sonst so gar nicht zum Repertoire des abschluss- und nervenstarken Mittelstürmers gehört.

Ob aus mangelnder Konzentration, aufgrund der Vorfreude auf den neuen Tor-Rekord, christlicher Bescheidenheit oder hochachtungsvollem Respekt vor Älteren, ein Denkmal hat sich der Pole trotz der vergebenen Torchance ohnehin schon gesetzt. Ein Spiel hat er nun noch, um am letzten Spieltag in der heimischen Allianz-Arena gegen Augsburg an Müller vorbeizuziehen und alleiniger Rekordhalter zu werden.

Nostalgische Nord-Klubs

Mit Werder Bremen und dem Hamburger SV hinken die einstigen Bayern-Rivalen und Bundesliga-Instanzen aus dem Norden, wieder einmal Saisonzielen und Fan-Erwartungen hinterher. Während die Hamburger das fest angepeilte Ziel Bundesliga-Aufstieg auch in der vierten Saison in Folge verpasst haben, droht den Bremern der Absturz in die Zweitklassigkeit.

Seit der Bremer Niederlage an diesem Spieltag gegen den Tabellennachbarn aus Augsburg verbindet die beiden Vereine der Hansestädte auch das Profil ihrer jeweiligen Trainer. Auf Hamburgs Daniel Thioune folgte mit dem 70-jährigen Horst Hrubesch eine Vereinslegende, der mit seiner stoischen Ruhe Resthoffnungen auf einen Aufstieg des ausgestorbenen Bundesliga-Dinos beibehalten sollte. Auch in Bremen wurde die Reißleine gezogen und aus akuter Abstiegsangst mit Vereins-Koryphäe Thomas Schaaf ein Erfolgscoach aus vergessenen glorreichen Zeiten der Bremer präsentiert.

Genau wie Hrubesch steht Schaaf für ein Rückbesinnen auf gute alte Zeiten bei sportlich misslicher Lage. Angesichts der Form und Tabellenkonstellation spricht vieles für kommende Nordderbys in der zweiten Bundesliga. Dann wohl ohne die beiden in die Jahre gekommenen Feuerwehrmänner und mit frischen Gesichtern auf dem Trainerstuhl.

Rückblick – 32.Spieltag

Spieler des Spieltags: Jadon Sancho

Mit dem Fehlen von Jude Bellingham und vor allem Erling Haaland ging der BVB arg gehandicapt in das so wichtige Top-Spiel gegen RB Leipzig. In der richtungsweisenden Generalprobe vor dem DFB-Pokafinale dieser beiden Mannschaften avancierte mit Jadon Sancho ein weiteres Juwel der Borussen zum Matchwinner und hielt so die schwarz-gelben Champions-League Hoffnungen am Leben. Auf seiner linken Seite brillierte der junge Engländer wieder einmal im kongenialen Zusammenspiel mit Raphael Guerreiro.

Neben der nach einer Schwächephase zu Beginn der Saison schnell wiederentdeckten natürlichen Spielfreude zeigte sich Sancho defensiv vorbildlich, passsicher und mit guter Risikoabwägung. Seine beiden Tore erzielte Sancho in absoluter Weltklasse-Manier. Das 1:0 fiel durch ein Slalomdribbling im Sechzehner mit überlegtem Innenseitenabschluss. Der so wichtige 3:2-Siegtreffer nach einer technisch höchst anspruchsvollen und sehenswerten Kombination mit Raphael Guerreiro und Joker Julian Brandt.

Ähnlich schön wie das Schießen auf einen Champions-League-Platz dürften für BVB-Anhänger Sanchos Worte nach dem Spiel zu seiner Zukunft geklungen haben. „Ich bin im Moment sehr glücklich hier in Dortmund. Ich liebe den Verein, die Fans und die Mannschaft. Sie haben mir meinen ersten Einsatz als Profi ermöglicht. Die Fans motivieren und pushen mich ans Limit,“ ließ der von Manchester United umgarnte Flügelspieler verlautbaren. Zwar kein Ausschließen eines Wechsels, aber ein Satz, der große Hoffnung auf einen Verbleib in Dortmund macht.

Bremer Wundertüte

Eren Dinkci, das 19-jährige Sturmtalent der Bremer, scheint prädestiniert dafür zu sein, als Einwechselspieler innerhalb kürzester Zeit großen Impact auf das Spiel zu haben. Bei seinem Bundesliga-Debüt in der Hinrunde erzielt der Deutsch-Türke vier Minuten vor Schluss eingewechselt den Siegtreffer gegen Mainz.

Vier Minuten länger brauchte Dinkci beim Heimspiel gegen Bayer Leverkusen für das Aufstellen eines unrühmlichen Vereinsrekordes. In der 84.Minute eingewechselt, wurde er in der letzten Minute der Nachspielzeit nach einer Blutgrätsche gegen Nadiem Amiri ohne Chance auf den Ball des Feldes verwiesen. Damit zog er im vereinsinternen Ranking an Mesut Özil als jüngstem Rotsünder der Bremer Bundesliga-Geschichte vorbei. Außerdem setzte sich der Bremer auf den sechsten Platz der spätesten Joker mit einem Platzverweis.

Im Nachgang des Spiels bemühten sich die Kollegen, den unerfahrenen Angreifer aus der Schussbahn zu nehmen. Laut Kohfeldt habe Dinkci später „bedröppelt“ in der Kabine gesessen. „Eren hat sich für das Foul entschuldigt. Er ist ein lieber Kerl, der sein siebtes Bundesliga-Spiel gemacht hat. Wahrscheinlich war es sein erstes Foul in der Bundesliga, aber es war halt ein blödes Foul,“ beschwichtigte der Bremer Chefcoach nach Abpfiff vor den Presse-Mikrofonen. Durch sein unüberlegtes Einsteigen wird Dinkci den Bremern nun jedenfalls im Saison-Finale um den Klassenerhalt fehlen.

Kein Mann für die zweite Reihe

Mitten in der Saison verkündeten der BVB und Gladbach den Wechsel des Chefcoachs der Fohlen zum Bundesliga-Rivalen in der kommenden Saison. Gleichbedeutend mit dem Zurückrücken von Interims-Coach Edin Terzic in die zweite Reihe als alter neuer Co-Trainer. Gala-Auftritte in der Königsklasse und ein hervorragender Saison-Endspurt mit der verloren geglaubten Möglichkeit auf das Erreichen eines CL-Platz sind aber ein hervorragendes Arbeitszeugnis für den Trainer-Neuling.

Die Verkündung des Rose-Wechsels wurde auch in Gladbach zu einem Knackpunkt in der Saison. Anders als in Dortmund, aber im negativen Sinne. Sichtbar angefasst von der Entscheidung ihres Coaches schwächelten die Gladbacher oft und haben durch ihre Inkonstanz nur noch minimale Resthoffnungen auf europäischen Fußball im nächsten Jahr.

Angesichts dieser Entwicklungen ist ein Verbleib Terzics im Verein für niemanden eine gelungene Lösung. Der umworbene Terzic hat zweifelsfrei bewiesen, reif für größere Aufgaben zu sein. Eine folgende Saison als Co-Trainer käme einer Degradierung gleich. Für Rose wiederum wäre die Situation ebenfalls alles andere als einfach. Durch seine Schwächeperiode mit Gladbach ohnehin schon etwas mehr unter Beobachtung, hätte er in Terzic eine konstante Bedrohung hinsichtlich einer Job-Ablösung im Nacken.

Rückblick – 31. Spieltag

Spieler des Spieltags: Joel Pohjanpalo

Der wasserstoffblonde Finne ist nicht nur aufgrund seiner Optik eine äußerst rare Erscheinung. Er verkörpert auch einen nahezu ausgestorbenen Spieler-Typus. Spielerisch kaum ins Spiel eingebunden, aber mit einem verdammt guten Raumgefühl im Strafraum und einem instinktiven Torriecher ausgestattet, ist Pohjanpalo ein waschechter Knipser alter Schule.

An schlechten Tagen schafft der Neuner quasi keinen Mehrwert für seine Mannschaft. Dafür kann er sich aber wie in alten Leverkusener Tagen schnell in einen Rausch schießen. Hat der Finne gute Zuspieler à la Max Kruse an seiner Seite sind Tore Garantie. Diesen Spieltag war mit Pohjanpalo ausgerechnet ein ehemaliger HSVler Albtraum für vor Abstiegsangst gelähmt wirkende Bremer. Kalt und mitleidslos schoss der ansonsten wieder wenig eingebundene Skandinavier alle drei abgefeuerte Torschüsse ins Netz und die Bremer ein weiteres Stück tiefer in den Tabellenkeller. Die Köpenicker können sich indessen für einen Endspurt um die europäischen Plätze heiß machen.

Der Beginn einer neuerlichen Erfolgs-Ära?

Fehlende finanzielle Mittel seien tragische Folge der langanhaltenden Corona-Pandemie. Vereinsobere der deutschen Profifußball-Ligen, werden jedenfalls nicht müde, ihre limitierte Zahlungsbereitschaft öffentlich zu betonen. Zwar auch als gerne genutztes Argument für die eigene Verhandlungsposition gebraucht, dürfte mangels fehlender Stadion-Einnahmen aber auch eine Menge Wahrheit in diesen Aussagen stecken.

Erst vor einer Woche haben die Bayern-Bosse bekannt gegeben, der Upamecano-Transfer bleibe der Einzige dieser Größenordnung in der Transferperiode. Umso überraschender also die Modalitäten rund um Bayerns Neuzugang auf der Trainerbank. Eine stattliche Summe von Minimum 25 Millionen mit etlichen Bonuszahlungen werden wohl an den Konkurrenten aus Leipzig überwiesen, um den heiß begehrten Nagelsmann aus seinem noch laufenden Vertrag rauszukaufen. Zunächst kolportierte 23 Millionen Euro wies RB-Boss Oliver Mintzlaff zumindest vehement zurück. „Wir haben beschlossen, dass wir unter zwei Voraussetzungen die Tür öffnen: Eine massiv hohe Ablösesumme und eine schnelle Einigung. Für 23 Mio. Euro hätten wir ihn nicht gehen lassen“, verließ Mintzlaff auf der heutigen Pressekonferenz verlauten.

Kein Taschengeld-Investment, dass locker aus Bayerns vielzitierter Portokasse getätigt werden kann. Allerdings ein sinnvolles mit dem Potenzial, einen internationalen Trend auszulösen. Zu oft wurde in der jüngeren Vergangenheit darauf hingewiesen, welch hohen Stellenwert die Position des Chef-Coaches auf die Mannschaft habe. Summen in absurder Millionenhöhe wurden bislang aber nur für Spieler ausgegeben. Bayern sah sich bei der Personalie Nagelsmann offensichtlich zum Handeln gezwungen. Angesichts der Beliebtheit Nagelsmanns über die Landesgrenzen hinaus hätte man bei Ablauf seiner Vertragslaufzeit die Eventualität in Kauf nehmen müssen, bei einer geplanten Verpflichtung in die Röhre zu gucken. Auch hätte man bei dem mittelfristigen Spekulieren auf eine Anstellung des 33-jährigen für die kommende Saison eine Übergangslösung suchen müssen.

Mit dem Loseisen von Julian Nagelsmann ist dem in seiner Reputation ordentlich angekratzten Salihamidzic wohl sein bisher größter Coup gelungen. Angesichts der gehandelten Interessenten aus London und Madrid ist die Verpflichtung des wohl weltweit größten Trainer-Talentes gar nicht so naheliegend, wie sie anmutet. Durch sein Plus als Muttersprachler, seine makellose taktische Ausbildung und seinen ungebrochenen Ehrgeiz ist dem Oberbayern mit Vergangenheit bei den rivalisierten 60ern auf jeden Fall eine von großen Erfolgen geprägte Ära zuzutrauen.

Rückblick – 30.Spieltag

Spieler des Spieltags: Jonas Hector

Friedhelm Funkel fährt in seinem zweiten Spiel als neuer alter Chefcoach der Kölner den ersten wichtigen Dreier gegen den Abstieg ein. Zuhause schlug der Effzeh nach neun sieglosen Spielen nicht unverdient die hoch favorisierten Leipziger mit 2:1. Vor allem der Kölner Kapitän Jonas Hector nahm den noch auf die Meisterschaft schielenden Sachsen den Wind aus den Segeln.

Der gebürtige Saarländer marchschierte 90 Minuten als Vorbild voran und war überall auf dem Platz zu finden. Vor allem der Kniff Funkels, den Sechser zur zweiten Halbzeit in die vorderste Front zu beordern, machte sich bezahlt. Das 1:0 erzielte Hector per Kopf nach Horn-Flanke in Manier eines gelernten Neuners. Den späteren 2:1-Siegtreffer erzielte Hector aus der Zehnerposition kommend nach traumhaftem Doppelpass inklusive Hackentrick mit Kreativ-Partner Ondrej Duda. Auch unabhängig der Tore machte der deutsche EM-Teilnehmer von 2016 ein hervorragendes Spiel, lief wichtige Räume zu und war einmal mehr verlässlicher und passsicherer Kombinationsspieler.

Brazzos unerwarteter Glücksgriff

Mit dem frühen, peinlichen Pokal-Aus gegen Holstein Kiel und der gelungenen Revanche des letztjährigen CL-Final-Gegners aus Paris im Viertelfinale des diesjährigen Wettbewerbes muss konstatiert werden, dass die Bayern weit hinter ihren hohen Saison-Erwartungen zurückbleiben. Selbstverständlich ist der sportliche Misserfolg keinem monokausalen Zusammenhang zuzuschreiben. Verletzungspech zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt und tiefe Grabenkämpfe in der Führung der Münchener haben ihren Beitrag geleistet. Ausnahmslos negativ bewertet werden aber Salihamidzics Last-Minute-Transfers für die Kadertiefe einer erfolgreichen Triple-Verteidigung. Bouna Sarr, Marc Roca und Douglas Costa fehlt offen ersichtlich einiges an Klasse und Mentalität, die Edel-Joker respektive Stamm-Spieler Thiago, Ivan Perisic und Coutinho gebührend zu ersetzen.

Der Einzige aus der Riege der Münchner Verzweiflungs-Transfers, der sich hervortut, ist derjenige, dessen Verpflichtung am Meisten für verwundertes Augenreiben gesorgt hat. In verletzungsbedingter Abwesenheit Lewandowskis hat sich Deutsch-Kameruner Eric Maxim Choupo-Moting zur rot-weißen Lebensversicherung gespielt. In Hin- und Rückspiel des CL-Viertelfinales konnte der 1,90m-große Schlaks jeweils ein Tor erzielen und auch in der Bundesliga tauchte der 32-jährige immer häufiger als Torschütze auf dem Spielbericht auf. Eine unerwartet positive Entwicklung die nun im Spätherbst der Karriere mit einem neuen Vertrag belohnt werden soll. Dem wegen seiner gelassenen und humorvollen Art auch in der Münchner Kabine wertgeschätzten Choupo-Moting soll nach übereinstimmenden Medien-Berichten ein Arbeitspapier mit einem Jahressalär von 2 Millionen Euro vorliegen.

Tage blau-weißer Schande

Mit der 1:0-Niederlage auf der Bielefelder Alm ist nun offiziell besiegelt, was schon lange feststeht. Das stolze Bundesliga-Gründungsmitglied der FC Schalke 04, muss nach dreißig Jahren Erstklassigkeit am Stück den Gang in die zweite Liga antreten. Beschämend die blutleere Saison der Königsblauen, die zu keinem Zeitpunkt Hoffnung auf einen erfolgreichen Turn-Around gemacht haben und deren Auftritte in den seltensten Fällen nach leidenschaftlichem Kampf um den Klassenerhalt aussahen.

Ein gewisser Unmut bei den leiderprobten Anhängern der Knappen ist daher durchaus nachzuvollziehen. Die Art und Weise, wie sich der Frust der Fans entladen hat aber Tiefpunkt einer Schalker Spielzeit ohne Lichtblicke. Der Teambus der frischen Absteiger ist bei der Heimreise von einer Horde krawall- und gewaltbereiter „Fans“ in Gelsenkirchen in Empfang genommen worden. Dabei soll es nicht nur bei verbalen Aussetzern geblieben sein. Augenzeugen berichten von tätlichen Angriffen gegen Spieler und Mitarbeiter, Sachbeschädigungen von Autos und Hetzjagden gegen ausgemachte Sündenböcke.

Im Nachgang dieser schändlichen Nacht soll ein anonymer Spieler der Schalker ausgesagt haben, dass er nicht wisse, wie die letzten vier Spiele noch gespielt werden soll. Berechtigte Angst, die nun auch Sportvorstand Peter Knäbel aufgreift. Auf einer extra einberufenen PK spricht er von zu führenden Einzelgesprächen mit Spielern, deren Position die kommenden vier Spiele nicht mehr bestreiten zu wollen, zu akzeptieren sei und deren Wunsch nachgegangen werde. Im Moment spricht alles gegen eine schnelle Rehabilitierung des Kumpel- und Malocher-Vereins und für die Unausweichlichkeit eines langfristigen minutiösen Heilungsprozess auf allen Ebenen eines im Argen liegenden Bundesliga-Riesen.

Rückblick – 29.Spieltag

Spieler des Spieltags: Jamal Musiala

Am Freitagabend hat RB Leipzig es verpasst, Druck auf den Tabellenführer aus München zu machen. Im abschätzig „El Plastico“ getauften Duell gegen die TSG Hoffenheim kamen die Sachsen nicht über ein 0:0 hinaus. Im Topspiel gegen Wolfsburg sollten stark ersatzgeschwächte Bayern dann einen Dreier einfahren, um im Kampf um die Meisterschaft gar nicht erst ein My an Spannung aufkommen zu lassen.

In Abwesenheit von Lewandowsky, Gnabry und Goretzka trumpfte der 18-jährige Neu-Nationalspieler Jamal Musiala groß auf. Gewohnt spielfreudig und dribbelstark wirbelte der Deutsch-Brite die starke Wolfsburger Defensive nach Strich und Faden auseinander. Das 0:1 erzielte Musiala nach einem Slalom-Dribbling durch den Wölfe-16er, bei dem er drei Gegenspieler ungelenk aussehen ließ und aus zentraler Position einschießen konnte. In einem ausgeglichenen Spitzen-Spiel konnte Musiala mit dem 1:3 per lehrbuchartigem Kopfball à la Lewandowski auch noch für den wichtigen Entlastungstreffer in der Wolfsburger Drangperiode sorgen.

Lobende Worte gab es dann auch vom scheidenden Chefcoach Hansi Flick, der das DFB-Juwel zum Matchwinner des 2:3-Siegs auserkoren hat. „Er hat für uns letztendlich den Sieg herausgeholt“, so Flick über den Doppeltorschützen.

Build by the poor, stolen by the rich

UEFA Nations League, UEFA Conference League, der Confederations Cup, Supercup und Klub WM. Absurde Wettbewerbe, bei dem der monetäre Anreiz dem sportlichen Wettbewerb weit überlegen ist, sind im vom Raubtier-Kapitalismus durchzogenen Fußball-Geschäft keine Seltenheit mehr. Die geplante Gründung der Super League ist allerdings ein in der Härte noch nicht dagewesener Schlag ins Kontor der Fußball-Traditionalisten.

Zwölf Top-Klubs planen die Gründung eines unter der Woche laufenden Konkurrenz-Wettbewerbs zur UEFA Champions-League. Darunter sechs englische Traditions-Vereine, Juventus Turin, die Mailänder und Madrider Stadt,-Vereine und der FC Barcelona. Drei weitere feste Plätze waren wohl für PSG, den FC Bayern und Borussia Dortmund vorbestimmt, die der Gründung des Wettbewerbs vorerst nicht zugestimmt haben. Dazu würden sich fünf Qualifikanten gesellen, die jährlich für gute Leistungen in der nationalen Liga belohnt werden sollen. Die Champions-League wäre ohne Beteiligung der Schwergewichte aus den Top5-Ligen dann nur noch eine wenig beachtete Bühne für Wochenausflüge der Top-Vereine kleinerer europäischer Ligen.

Nach außen hin wird die Raffgier der Anteilseigner der großen Vereine wieder einmal als altruistischer Akt der Barmherzigkeit verkauft. „Durch die Zusammenführung der weltbesten Vereine und Spieler wird die Super League ein neues Kapitel für den europäischen Fußball aufschlagen, ein Weltklassewettbewerb wird damit sichergestellt und finanzielle Unterstützung für die breitere Fußballpyramide erhöht,“ so Joe Glazer, der stellvertretende Vorsitzende Manchster Uniteds und der Super League. Ein schlechter Treppenwitz bei 3,5 Milliarden Euro Zuschuss, die jeder Gründer-Verein als „Gegenleistung“ für ihr Engagement erhalten soll.

Noch realitätsverleugnender klingt da nur die Aussage des Real-Madrid-Präsidenten und Super-League-Vorsitzenden Florentino Perez. Man werde „dem Fußball auf jedem Level helfen“ und müsse der Verantwortung nachkommen, „den Wünschen der vier Milliarden Fußballfans zu entsprechen,“ lässt sich der Spanier sinngemäß zitieren. Das Echo der internationalen Fußball-Gemeinde spricht tatsächlich eine ganz andere Sprache. Der Tod des Fußballs und Verrat der Kultur durch egogesteurte Milliardäre ist international das dominierende Narrativ der Anhänger.

Das Trainerkarussell – Ein perpetuum mobile

Nun ist es offiziell. Triple-Coach Hansi Flick verlässt den Rekordmeister nach Saisonende. Ergebnis eines lange währenden Zanks mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der einen nicht zu kittenden Riss hinterlassen hat. Einer Nachfolge Löws als Bundestrainer steht damit nichts mehr im Weg.

Oft gehandelter Name für den frei werdenden Posten ist Julian Nagelsmann vom Konkurrenten aus Leipzig. Im Zuge der aufkeimenden Gerüchte riefen die RB-Verantwortlichen jüngst eine 20-Millionen-Klausel für den begehrten Chef-Trainer aus. In Leipzig könnte derweil Wolfsburgs Oliver Glasner in den Fokus rücken, dem die RB-Schule aus alten Salzburger Tagen bestens bekannt ist und dessen schwieriges Verhältnis zu Jörg Schmadtke kein Geheimnis ist.

Dortmunds neuer Coach wird Marco Rose, während Frankfurts Adi Hütter den geräumten Arbeitsplatz in Mönchengladbach übernimmt. Bleibt ein freier Platz an der Frankfurter Seitenlinie. Sollte Terzic mit dem Zurückweichen in die zweite Reihe beim BVB nicht zufrieden sein, könnte die hessische Balkan-Connection weiteren Zuwachs bekommen und sich zumindest in diesem Fall der Kreis schließen.

Rückblick – 28.Spieltag

Spieler des Spieltags: Jean-Paul Boetius

Die dringend benötigte Kehrtwende im Spielerischen und die gesteigerte Punkteausbeute der 05er kam mit der Übernahme durch Ex-Spieler Bo Svensson. Seine ersten Profitrainer-Schritte hat der Däne beim FC Liefering, dem Salzburger RB-Farmverein, gemacht und von dort das „Rangnicksche“ Spielsystem mitgebracht und sofort in Mainz implementiert. Der aufs aggressive Pressen und geradlinig Richtung Tor agierende Ansatz benötigte zunächst laufstarke, schnörkellose, aber eher weniger kreative Mittelfeldspieler, die gerne lange den Ball halten und das Dribbling suchen. Opfer des Systems war unter Anderem der niederländische Feingeist Jean-Paul Boetius.

Nach seltener Berücksichtigung in den ersten Wochen bekommt er nun aber immer mehr Spielzeit. An diesen Spieltag beim Abstiegskrimi gegen ebenbürtige Kölner war Boetius der beste Mann auf dem Platz. Der ehemalige Spieler der Elftal war passgenauster Rhein-Hesse auf dem Platz, spielte die meisten Torgefahr bringenden Schnittstellen-Pässe und tauchte mit dem Treffer zum 0:1 und der Vorlage zum zwischenzeitlichen 2:2 doppelt in der Scorer-Liste auf. Sahnestück war vor Allem sein Tor, bei dem er eine Hereingabe des ebenfalls prächtig aufspielenden Barreiro Martins technisch anspruchsvoll per Direktabnahme mit der Innenseite unter der Latte versenken konnte.

Den Alten wird der Rang abgelaufen

Ein gerne wiederholtes Narrativ in Dortmund ist, dass die Inkonstanz der Borussen im direkten Zusammenhang mit der sehr jungen Altersstruktur des Kaders steht. Die vergangen Auftritte der Schwarz-Gelben geben einen gegensätzlichen Eindruck wieder. Routiniers wie das unsichere Torhüter-Duo Bürki/Hitz oder Außenverteidiger Fehleinkauf Thomas Meunier kosteten durch individuelle Fehler bereites einige Punkte, die ehemaligen Nationalspieler Schulz, Brandt und der zugegeben momentan wieder in Form kommende Kapitän Marco Reus agierten über den Großteil der Saison weit unter ihrem eigentlichen Leistungsvermögen. Dazu kommt, dass den Sechsern Witsel und Delaney inzwischen immer häufiger der eigene Körper einen Strich durch die Rechnung macht.

Garanten für die Tore waren bei den Borussen zumeist die heiß umworbenen Top-Talente Jadon Sancho und Erling Haaland. Mit Jude Bellingham spielt sich in den letzten Wochen der nächste, erst 17-jährige in den Fokus. In einer keineswegs einfachen Saisonphase geht der Brite auf dem Platz voran, ist immer anspielbereit, laufstark und strahlt durchgehend Präsenz und Selbstbewusstsein aus. Beim starken Champions-League-Hinspiel gegen die übermächtig geglaubten Citizens bereits bester Dortmunder auf dem Platz wiederholte er diesen Eindruck auch als Torschütze und Taktgeber beim 2:3-Sieg in Stuttgart. Siegtorschütze in der Mercedes-Benz-Arena war keiner der Alteingesessenen, sondern der aus der eigenen Jugend kommende 19-jährige Ansgar Knauff.

Generationen an Feuerwehrtrainern

Markus Gidsol kann man zweifelsfrei den Harry Houdini der Bundesliga nennen. Immer wenn sich die Schlinge zuzuziehen schien, überraschte der Effzeh mit einem Sieg, der Gisdol im Amt bleiben ließ. Aus einer weiteren sportlichen Misere kommend, empfingen die Kölner den formstarken Tabellennachbarn aus Mainz. Mit dem Rücken zur Wand stehend waren einmal mehr Gisdols Entfesselungskünste gefragt. Doch trotz einer über weite Strecken guten Partie mussten sich die Kölner letzten Endes durch einen Last-Minute-Treffer mit 2:3 geschlagen werden. Keine 24 Stunden später waren die Gazetten voll mit Meldungen über die Entlassung des Chefscoachs.

Die Entlassung Gisdols scheint ein weiterer Beleg, dass der Schwabe so ziemlich der einzige Feuerwehrmann seiner Trainer-Generation scheint. Im Tabellenkeller festsitzende Mannschaften kriegt der Ex-Schalker schnell auf Spur und vor dem Schreckgespenst Bundesliga-Abstieg gerettet. Für eine volle Saison fehlt ihm aber offensichtlich das Geschick, seiner Mannschaft eine erfolgsversprechende Spielidee verinnerlichen zu lassen. Nachfolger wird mit dem stadt- und vereinsbekannten Friedhelm Funkel der Feuerwehrmann schlechthin.

Der hatte nach seinem überraschenden und unsauberen Aus bei Fortuna Düsseldorf in der vergangenen Saison eigentlich seinen Ruhestand angekündigt. Nun macht ihm die Corona-Langeweile aber einen Strich durch die Rechnung. „Die Lebenssituation hat sich durch die Corona-Pandemie für sehr viele Menschen verändert“, erklärte Funkel seine Beweggründe. „Ich konnte meine Freiheiten nicht so genießen, wie ich es mir vorgestellt hatte.“ Statt seinen Hobbys nachgehen zu können, musste auch Funkel in den vergangenen 13 Monaten überwiegend auf Abstand gehen und die Füße still halten. „Ich habe mich in der Zeit viel mit Fußball beschäftigt, weil ich viel Freizeit hatte“, so der alte und neue Kölner Chefcoach.

Rückblick – 27. Spieltag

Spieler des Spieltags: Marcus Thuram

Nach lang anhaltender Krise kam der FC Schalke 04 am 26.Spieltag als Aufbaugegner zur passenden Zeit für die Fohlen. Im heimischen Borussia-Park konnte in einem umkämpften und ausgeglichenen Spiel nun auch der SC Freiburg mit 2:1 niedergerungen werden. Überragender Mann war das Gladbacher Sorgenkind der Saison – Enfant Terrible Marcus Thuram.

Seine auffälligste Szene dieser Saison hatte der Spieler der Equipe Tricolore bisher im Hinrundenspiel gegen die TSG Hoffenheim, als er nach einer widerlichen Spuckattacke vom Platz gestellt wurde. Mit seiner Leistung gegen die Breisgauer macht der technisch beschlagene Weltmeister-Sohn, pünktlich zum Saison-Endspurt wieder Hoffnung an seine bestechende Form der vergangenen Saison anknüpfen zu können. Neben sechs Schüssen in Richtung Tor des Sportclubs und einer hervorragenden Leistung sowohl als Wand-als auch als Kombinationsspieler schnürte Thuram mit seinen Saisontoren 5&6 auch den siegbringenden Doppelpack.

Schwarz-Gelbes Berater-Chaos

In Anbetracht der Tabellenposition des BVB wird ein Verbleib Haalands über die Saison hinaus immer unwahrscheinlicher. Mittlerweile ist die Wechsel-Posse um den Wunderstürmer alles überschattendes Thema in Dortmund. Bei Real Madrid, dem FC Barcelona und zwei großen englischen Klubs soll der gefürchtete Mino Raiola, Berater des Norwegers, bereits zur Aushandlung von Verträgen vorstellig gewesen sein. Wahnwitzig klingen die Enthüllungen des katalanischen Radiosenders RAC 2. Bei einem Wechsel zur Blaugrana sollen sowohl Raiola als auch Haalands Vater Alf-Inge 20 Milionen Euro an Honorar fordern.

Dazu käme dann noch ein 30-Millionen-Jahresgehalt für Haaland junior. Besonders übel stößt aber der Zeitpunkt auf, an dem Haalands Vater und Raiola zu Verhandlungen in Barcelona gesichtet wurden. Nur 24 Stunden vor dem wichtigen Duell um die Champions-League gegen Eintracht Frankfurt.

Ein unnötiges Störfeuer, dass Sky-Experte Dietmar Hamann in Rage brachte. „Eine absolute Frechheit, was der Vater und der Berater von Haaland da machen. Sie gehen hausieren – vor so einem wichtigen Spiel!“ so der sonst so nüchtern auftretende Experte im Vorfeld des Spiels. Die Reaktion auf dem Platz folgte prompt. Über 90 Minuten fehlte den Schwarz-Gelben der hundertprozentige Fokus auf das Geschehen auf dem Platz. Gut möglich, dass die Causa Haaland wesentlicher Faktor für den Ausgang des Spiels zweier Teams auf ähnlichem Leistungsniveau war.

Keine Konkurrenz in Sicht

Das Topspiel der Bayern gegen Leipzig hat die derzeitigen Kräfteverhältnisse in der 1.Bundesliga deutlich zutage gebracht. Trotz des Ausfalls von Robert Lewandowski und der möglichen Länderspielmüdigkeit hat der Rekordmeister das Spitzenspiel ungefährdet mit 1:0 über die Bühne gebracht.

Dabei machten die Sachsen, die weniger an Länderspielabstellungen zu knabbern hatten, zwar den frischeren Eindruck und schossen insgesamt auch häufiger auf das Tor, konnten ohne echten Stürmer auf dem Platz aber wenig Torgefahr ausstrahlen. Bayern erspielte sich zwar keine Chancen im Minutentakt, überzeugte, wenn es nach vorne ging, aber mit deutlich mehr Durchschlagskraft. Bezeichnend für das Spiel war, dass ausgerechnet Leon Goretzka, der alle drei deutschen WM-Qualifikationsspiele nahezu über die volle Distanz gegangen ist, für das goldene Tor sorgen konnte. An der Vormachtstellung der Bayern in Deutschlands Beletage zweifelt derzeit wohl kaum jemand.

Rückblick – 26.Spieltag

Spieler des Spieltags: Robert Lewandowski

Keine Überraschung an diesem Spieltag. Die herausragendste Leistung der Runde zeigte wieder einmal der Weltfußballer des Jahres 2020. Mit seinen Saisontoren 33, 34 und 35 erhöht der Pole seine Chance, den uneinholbar geglaubten 40-Tore Saison-Rekord des Bombers der Nation Gerd Müller zu knacken. 4:0 bezwangen die Bayern den VFB Stuttgart im Süd-Schlager. Dabei standen die Vorzeichen früh im Spiel, alles Andere als gut.

Bereits nach 12 Minuten musste Linksverteidiger Alphonso Davies den Platz wegen überhartem Einsteigen verlassen. Angestachelt durch den Platzverwies zündeten die Bayern den Turbo und erzwangen bis zur Pause eine vier Tore Führung. Lewandowski münzte dabei alle drei seiner Torschüsse in Tore um. Genug, um im Vorbeigehen mit Klaus Fischer, (268) den bisherigen Zweitplatzierten der ewigen Bundesliga-Torjägerliste zu überholen.

Lewandowski-Frust bei formstarken Konkurrenten

Dem Gewinn der prestigeträchtigen Torjäger-Kanone steht Erling Haaland und Andre Silva nur einer im Weg. Robert Lewandowski. Denn auch die Tormaschinen aus Frankfurt und Dortmund befinden sich in überragender Verfassung.

Haaland stemmte sich mit fast schon aggressiver Körperhaltung vehement gegen einen Punktverlust im Spiel gegen den abstiegsbedrohten Effzeh. Sein mittlerweile wettbewerbsübergreifender zwölfter Mehrfachpack verhalf letztlich dennoch nicht zum Sieg, aber zementiert Haalands Status als Generational Talent.

Silva baute beim 5:2-Sieg gegen Union Berlin sein Tor-Konto auf 21 Treffer aus. Einen weiteren Treffer legte der Portugiese auf und sammelte nun fünf Scorer-Punkte aus den letzten vier Partien. Mit 21 Toren aus 26 Spielen hätten die beiden in den anderen vier lewandowskifreien Top-Ligen Europas realistische Chancen, die Saison als Top-Torschütze zu beenden.

Jogis übersehene EM-Anwärter

In nicht einmal drei Monaten startet mit der coronabedingt verlegten Europa-Meisterschaft Jogi Löws letztes großes Turnier als deutscher Bundestrainer. Ein Erfolg wäre Genugtuung für den in der jüngeren Vergangenheit öffentlich angezahlten Schwaben. Sogar eine Rückhol-Aktion der aussortierten Weltmeister Müller und Hummels stellt Löw für das übergeordnete Ziel einer gelungen Europa-Meisterschaft in Aussicht.

Umso verwunderlicher, warum einige konstant in Top-Form spielende Kicker weiter nicht berücksichtigt werden. Kevin Volland trumpft in Monaco unter Kovac als Torschütze, Vorlagengeber und Kombinationsspieler auf und stellt sogar den unangefochtenen Wissam Ben Yedder in den Schatten. Maxi Arnold brilliert als Laufwunder und Motor in der Zentrale der stärksten Wolfsburger Mannschaft seit Jahren. Max Kruse macht das, was er egal in welchem Trikot seit Jahren macht. Mit seiner Spielintelligenz und technischem Finesse das Offensiv-Spiel seiner Mannschaft lenken.

Auch an diesem Spieltag waren Doppeltorschütze und Kruse und Maxi Arnold zwei der prägendsten Figuren. Für die kommende Länderspiel-Pause ist dennoch wieder einmal keiner der drei Übersehenen nominiert.

Rückblick – 25.Spieltag

Spieler des Spieltags: Thomas Müller

Nach der Ausbootung in Folge des WM-Aus von 2018 drehte Thomas Müller im Trikot der Bayern nochmal richtig auf. Zeitgleich mit der Bekanntgabe des Rücktritts von Weltmeister-Trainer Joachim Löw nach der Europameisterschaft in diesem Jahr wurde nun auch die Tür für eine Rückkehr des „Raumdeuters“ geöffnet. Eine Geste der Anerkennung des Bundestrainers, aber offensichtlich kein Grund für Müller, den Fuß vom Pedal zu nehmen.

Beim 3:1-Sieg gegen Bremen legte Müller in Weltklasse-Manier erneut doppelt auf. Einmal per kluger Kopfball-Ablage für Leon Goretzka und einmal technisch herausragend auf engstem Raum für Serge Gnabry nach einer überragenden Kombination. Als torgefährlicher Zehner mit brillantem Auge für den Nebenmann dürfte in der Startelf des deutschen Teams bei der Euro wohl kein Weg an Müller vorbeiführen.

Der Stuttgarter Serientäter

Einen 25 Jahre alten Vereinsrekord des Frankfurter Sportvorstands Fredi Bobic hat Sasa Kalajdzic am Wochenende gegen die TSG Hoffenheim eingestellt. Dieser hatte in der Saison 1995/96 nämlich sieben Mal in Serie für die Schwaben getroffen. Einen Rekord, den der 2m-große Österreicher nun am nächsten Spieltag gegen die Bayern versuchen zu brechen wird.

Das Besondere an Kalajdzic neben seiner Abschluss- und Kopfballstärke ist seine trotz seiner Körpergröße auffallende technische Beschlagenheit. Kein Wunder also, dass er den Angriff zum 1:0, den am Ende der Hoffenheimer Kasim Adams selbst über die Linie drückte, versuchte mit der Hacke zu vollenden. Trainer Pellegrini Mattarazzo war nach Schlusspfiff beim 2:0-Heimsieg gegen die TSG jedenfalls voll des Lobes für den 23-jährigen: „Das freut mich natürlich für Sasa, dass er so viele Spiele nacheinander getroffen hat. Er verteidigt gut, kombiniert gut, setzt seine Mitspieler gut ein.“

Kein Bock auf Europa

Die Einführung der UEFA Conference League ist wohl der Gipfel der Schwachsinnigkeit, einer Organisation, die scheinbar nur noch von Profitgier gelenkt ist. Während die jüngere Vergangenheit gezeigt hat, dass selbst die Motivation für die höherklassige Europa-League bei einigen Vereinen aus den Top5-Ligen nur bedingt gegeben ist, kommt nächste Saison eine an Irrelevanz kaum zu überbietende Liga an den Start.

Mit geringfügigen finanziellen Anreizen sollen Teams ihre Ruhephasen zwischen den Liga-Partien bei Auswärtsspielen gegen unbekannte Vereine aus den Niederungen des europäischen Klubfußballs opfern. Die Qualifikation für die Europa-League über einen Triumph in der Conference League dürfte als Motivationsspritze wohl kaum reichen und wirkt schon fast wie unangebrachter Spott. Max Kruse vom Europa-Anwärter Union Berlin wird jedenfalls vielen Fußballern aus der Seele sprechen, wenn er sagt: „Auf die Europa League hätte ich Bock. Auf die Conference League hätte ich keinen Bock, ich weiß nicht mal, was das ist.“