Rückblick – 28.Spieltag

Spieler des Spieltags: Jean-Paul Boetius

Die dringend benötigte Kehrtwende im Spielerischen und die gesteigerte Punkteausbeute der 05er kam mit der Übernahme durch Ex-Spieler Bo Svensson. Seine ersten Profitrainer-Schritte hat der Däne beim FC Liefering, dem Salzburger RB-Farmverein, gemacht und von dort das „Rangnicksche“ Spielsystem mitgebracht und sofort in Mainz implementiert. Der aufs aggressive Pressen und geradlinig Richtung Tor agierende Ansatz benötigte zunächst laufstarke, schnörkellose, aber eher weniger kreative Mittelfeldspieler, die gerne lange den Ball halten und das Dribbling suchen. Opfer des Systems war unter Anderem der niederländische Feingeist Jean-Paul Boetius.

Nach seltener Berücksichtigung in den ersten Wochen bekommt er nun aber immer mehr Spielzeit. An diesen Spieltag beim Abstiegskrimi gegen ebenbürtige Kölner war Boetius der beste Mann auf dem Platz. Der ehemalige Spieler der Elftal war passgenauster Rhein-Hesse auf dem Platz, spielte die meisten Torgefahr bringenden Schnittstellen-Pässe und tauchte mit dem Treffer zum 0:1 und der Vorlage zum zwischenzeitlichen 2:2 doppelt in der Scorer-Liste auf. Sahnestück war vor Allem sein Tor, bei dem er eine Hereingabe des ebenfalls prächtig aufspielenden Barreiro Martins technisch anspruchsvoll per Direktabnahme mit der Innenseite unter der Latte versenken konnte.

Den Alten wird der Rang abgelaufen

Ein gerne wiederholtes Narrativ in Dortmund ist, dass die Inkonstanz der Borussen im direkten Zusammenhang mit der sehr jungen Altersstruktur des Kaders steht. Die vergangen Auftritte der Schwarz-Gelben geben einen gegensätzlichen Eindruck wieder. Routiniers wie das unsichere Torhüter-Duo Bürki/Hitz oder Außenverteidiger Fehleinkauf Thomas Meunier kosteten durch individuelle Fehler bereites einige Punkte, die ehemaligen Nationalspieler Schulz, Brandt und der zugegeben momentan wieder in Form kommende Kapitän Marco Reus agierten über den Großteil der Saison weit unter ihrem eigentlichen Leistungsvermögen. Dazu kommt, dass den Sechsern Witsel und Delaney inzwischen immer häufiger der eigene Körper einen Strich durch die Rechnung macht.

Garanten für die Tore waren bei den Borussen zumeist die heiß umworbenen Top-Talente Jadon Sancho und Erling Haaland. Mit Jude Bellingham spielt sich in den letzten Wochen der nächste, erst 17-jährige in den Fokus. In einer keineswegs einfachen Saisonphase geht der Brite auf dem Platz voran, ist immer anspielbereit, laufstark und strahlt durchgehend Präsenz und Selbstbewusstsein aus. Beim starken Champions-League-Hinspiel gegen die übermächtig geglaubten Citizens bereits bester Dortmunder auf dem Platz wiederholte er diesen Eindruck auch als Torschütze und Taktgeber beim 2:3-Sieg in Stuttgart. Siegtorschütze in der Mercedes-Benz-Arena war keiner der Alteingesessenen, sondern der aus der eigenen Jugend kommende 19-jährige Ansgar Knauff.

Generationen an Feuerwehrtrainern

Markus Gidsol kann man zweifelsfrei den Harry Houdini der Bundesliga nennen. Immer wenn sich die Schlinge zuzuziehen schien, überraschte der Effzeh mit einem Sieg, der Gisdol im Amt bleiben ließ. Aus einer weiteren sportlichen Misere kommend, empfingen die Kölner den formstarken Tabellennachbarn aus Mainz. Mit dem Rücken zur Wand stehend waren einmal mehr Gisdols Entfesselungskünste gefragt. Doch trotz einer über weite Strecken guten Partie mussten sich die Kölner letzten Endes durch einen Last-Minute-Treffer mit 2:3 geschlagen werden. Keine 24 Stunden später waren die Gazetten voll mit Meldungen über die Entlassung des Chefscoachs.

Die Entlassung Gisdols scheint ein weiterer Beleg, dass der Schwabe so ziemlich der einzige Feuerwehrmann seiner Trainer-Generation scheint. Im Tabellenkeller festsitzende Mannschaften kriegt der Ex-Schalker schnell auf Spur und vor dem Schreckgespenst Bundesliga-Abstieg gerettet. Für eine volle Saison fehlt ihm aber offensichtlich das Geschick, seiner Mannschaft eine erfolgsversprechende Spielidee verinnerlichen zu lassen. Nachfolger wird mit dem stadt- und vereinsbekannten Friedhelm Funkel der Feuerwehrmann schlechthin.

Der hatte nach seinem überraschenden und unsauberen Aus bei Fortuna Düsseldorf in der vergangenen Saison eigentlich seinen Ruhestand angekündigt. Nun macht ihm die Corona-Langeweile aber einen Strich durch die Rechnung. „Die Lebenssituation hat sich durch die Corona-Pandemie für sehr viele Menschen verändert“, erklärte Funkel seine Beweggründe. „Ich konnte meine Freiheiten nicht so genießen, wie ich es mir vorgestellt hatte.“ Statt seinen Hobbys nachgehen zu können, musste auch Funkel in den vergangenen 13 Monaten überwiegend auf Abstand gehen und die Füße still halten. „Ich habe mich in der Zeit viel mit Fußball beschäftigt, weil ich viel Freizeit hatte“, so der alte und neue Kölner Chefcoach.

Rückblick – 27. Spieltag

Spieler des Spieltags: Marcus Thuram

Nach lang anhaltender Krise kam der FC Schalke 04 am 26.Spieltag als Aufbaugegner zur passenden Zeit für die Fohlen. Im heimischen Borussia-Park konnte in einem umkämpften und ausgeglichenen Spiel nun auch der SC Freiburg mit 2:1 niedergerungen werden. Überragender Mann war das Gladbacher Sorgenkind der Saison – Enfant Terrible Marcus Thuram.

Seine auffälligste Szene dieser Saison hatte der Spieler der Equipe Tricolore bisher im Hinrundenspiel gegen die TSG Hoffenheim, als er nach einer widerlichen Spuckattacke vom Platz gestellt wurde. Mit seiner Leistung gegen die Breisgauer macht der technisch beschlagene Weltmeister-Sohn, pünktlich zum Saison-Endspurt wieder Hoffnung an seine bestechende Form der vergangenen Saison anknüpfen zu können. Neben sechs Schüssen in Richtung Tor des Sportclubs und einer hervorragenden Leistung sowohl als Wand-als auch als Kombinationsspieler schnürte Thuram mit seinen Saisontoren 5&6 auch den siegbringenden Doppelpack.

Schwarz-Gelbes Berater-Chaos

In Anbetracht der Tabellenposition des BVB wird ein Verbleib Haalands über die Saison hinaus immer unwahrscheinlicher. Mittlerweile ist die Wechsel-Posse um den Wunderstürmer alles überschattendes Thema in Dortmund. Bei Real Madrid, dem FC Barcelona und zwei großen englischen Klubs soll der gefürchtete Mino Raiola, Berater des Norwegers, bereits zur Aushandlung von Verträgen vorstellig gewesen sein. Wahnwitzig klingen die Enthüllungen des katalanischen Radiosenders RAC 2. Bei einem Wechsel zur Blaugrana sollen sowohl Raiola als auch Haalands Vater Alf-Inge 20 Milionen Euro an Honorar fordern.

Dazu käme dann noch ein 30-Millionen-Jahresgehalt für Haaland junior. Besonders übel stößt aber der Zeitpunkt auf, an dem Haalands Vater und Raiola zu Verhandlungen in Barcelona gesichtet wurden. Nur 24 Stunden vor dem wichtigen Duell um die Champions-League gegen Eintracht Frankfurt.

Ein unnötiges Störfeuer, dass Sky-Experte Dietmar Hamann in Rage brachte. „Eine absolute Frechheit, was der Vater und der Berater von Haaland da machen. Sie gehen hausieren – vor so einem wichtigen Spiel!“ so der sonst so nüchtern auftretende Experte im Vorfeld des Spiels. Die Reaktion auf dem Platz folgte prompt. Über 90 Minuten fehlte den Schwarz-Gelben der hundertprozentige Fokus auf das Geschehen auf dem Platz. Gut möglich, dass die Causa Haaland wesentlicher Faktor für den Ausgang des Spiels zweier Teams auf ähnlichem Leistungsniveau war.

Keine Konkurrenz in Sicht

Das Topspiel der Bayern gegen Leipzig hat die derzeitigen Kräfteverhältnisse in der 1.Bundesliga deutlich zutage gebracht. Trotz des Ausfalls von Robert Lewandowski und der möglichen Länderspielmüdigkeit hat der Rekordmeister das Spitzenspiel ungefährdet mit 1:0 über die Bühne gebracht.

Dabei machten die Sachsen, die weniger an Länderspielabstellungen zu knabbern hatten, zwar den frischeren Eindruck und schossen insgesamt auch häufiger auf das Tor, konnten ohne echten Stürmer auf dem Platz aber wenig Torgefahr ausstrahlen. Bayern erspielte sich zwar keine Chancen im Minutentakt, überzeugte, wenn es nach vorne ging, aber mit deutlich mehr Durchschlagskraft. Bezeichnend für das Spiel war, dass ausgerechnet Leon Goretzka, der alle drei deutschen WM-Qualifikationsspiele nahezu über die volle Distanz gegangen ist, für das goldene Tor sorgen konnte. An der Vormachtstellung der Bayern in Deutschlands Beletage zweifelt derzeit wohl kaum jemand.

Rückblick – 26.Spieltag

Spieler des Spieltags: Robert Lewandowski

Keine Überraschung an diesem Spieltag. Die herausragendste Leistung der Runde zeigte wieder einmal der Weltfußballer des Jahres 2020. Mit seinen Saisontoren 33, 34 und 35 erhöht der Pole seine Chance, den uneinholbar geglaubten 40-Tore Saison-Rekord des Bombers der Nation Gerd Müller zu knacken. 4:0 bezwangen die Bayern den VFB Stuttgart im Süd-Schlager. Dabei standen die Vorzeichen früh im Spiel, alles Andere als gut.

Bereits nach 12 Minuten musste Linksverteidiger Alphonso Davies den Platz wegen überhartem Einsteigen verlassen. Angestachelt durch den Platzverwies zündeten die Bayern den Turbo und erzwangen bis zur Pause eine vier Tore Führung. Lewandowski münzte dabei alle drei seiner Torschüsse in Tore um. Genug, um im Vorbeigehen mit Klaus Fischer, (268) den bisherigen Zweitplatzierten der ewigen Bundesliga-Torjägerliste zu überholen.

Lewandowski-Frust bei formstarken Konkurrenten

Dem Gewinn der prestigeträchtigen Torjäger-Kanone steht Erling Haaland und Andre Silva nur einer im Weg. Robert Lewandowski. Denn auch die Tormaschinen aus Frankfurt und Dortmund befinden sich in überragender Verfassung.

Haaland stemmte sich mit fast schon aggressiver Körperhaltung vehement gegen einen Punktverlust im Spiel gegen den abstiegsbedrohten Effzeh. Sein mittlerweile wettbewerbsübergreifender zwölfter Mehrfachpack verhalf letztlich dennoch nicht zum Sieg, aber zementiert Haalands Status als Generational Talent.

Silva baute beim 5:2-Sieg gegen Union Berlin sein Tor-Konto auf 21 Treffer aus. Einen weiteren Treffer legte der Portugiese auf und sammelte nun fünf Scorer-Punkte aus den letzten vier Partien. Mit 21 Toren aus 26 Spielen hätten die beiden in den anderen vier lewandowskifreien Top-Ligen Europas realistische Chancen, die Saison als Top-Torschütze zu beenden.

Jogis übersehene EM-Anwärter

In nicht einmal drei Monaten startet mit der coronabedingt verlegten Europa-Meisterschaft Jogi Löws letztes großes Turnier als deutscher Bundestrainer. Ein Erfolg wäre Genugtuung für den in der jüngeren Vergangenheit öffentlich angezahlten Schwaben. Sogar eine Rückhol-Aktion der aussortierten Weltmeister Müller und Hummels stellt Löw für das übergeordnete Ziel einer gelungen Europa-Meisterschaft in Aussicht.

Umso verwunderlicher, warum einige konstant in Top-Form spielende Kicker weiter nicht berücksichtigt werden. Kevin Volland trumpft in Monaco unter Kovac als Torschütze, Vorlagengeber und Kombinationsspieler auf und stellt sogar den unangefochtenen Wissam Ben Yedder in den Schatten. Maxi Arnold brilliert als Laufwunder und Motor in der Zentrale der stärksten Wolfsburger Mannschaft seit Jahren. Max Kruse macht das, was er egal in welchem Trikot seit Jahren macht. Mit seiner Spielintelligenz und technischem Finesse das Offensiv-Spiel seiner Mannschaft lenken.

Auch an diesem Spieltag waren Doppeltorschütze und Kruse und Maxi Arnold zwei der prägendsten Figuren. Für die kommende Länderspiel-Pause ist dennoch wieder einmal keiner der drei Übersehenen nominiert.

Rückblick – 25.Spieltag

Spieler des Spieltags: Thomas Müller

Nach der Ausbootung in Folge des WM-Aus von 2018 drehte Thomas Müller im Trikot der Bayern nochmal richtig auf. Zeitgleich mit der Bekanntgabe des Rücktritts von Weltmeister-Trainer Joachim Löw nach der Europameisterschaft in diesem Jahr wurde nun auch die Tür für eine Rückkehr des „Raumdeuters“ geöffnet. Eine Geste der Anerkennung des Bundestrainers, aber offensichtlich kein Grund für Müller, den Fuß vom Pedal zu nehmen.

Beim 3:1-Sieg gegen Bremen legte Müller in Weltklasse-Manier erneut doppelt auf. Einmal per kluger Kopfball-Ablage für Leon Goretzka und einmal technisch herausragend auf engstem Raum für Serge Gnabry nach einer überragenden Kombination. Als torgefährlicher Zehner mit brillantem Auge für den Nebenmann dürfte in der Startelf des deutschen Teams bei der Euro wohl kein Weg an Müller vorbeiführen.

Der Stuttgarter Serientäter

Einen 25 Jahre alten Vereinsrekord des Frankfurter Sportvorstands Fredi Bobic hat Sasa Kalajdzic am Wochenende gegen die TSG Hoffenheim eingestellt. Dieser hatte in der Saison 1995/96 nämlich sieben Mal in Serie für die Schwaben getroffen. Einen Rekord, den der 2m-große Österreicher nun am nächsten Spieltag gegen die Bayern versuchen zu brechen wird.

Das Besondere an Kalajdzic neben seiner Abschluss- und Kopfballstärke ist seine trotz seiner Körpergröße auffallende technische Beschlagenheit. Kein Wunder also, dass er den Angriff zum 1:0, den am Ende der Hoffenheimer Kasim Adams selbst über die Linie drückte, versuchte mit der Hacke zu vollenden. Trainer Pellegrini Mattarazzo war nach Schlusspfiff beim 2:0-Heimsieg gegen die TSG jedenfalls voll des Lobes für den 23-jährigen: „Das freut mich natürlich für Sasa, dass er so viele Spiele nacheinander getroffen hat. Er verteidigt gut, kombiniert gut, setzt seine Mitspieler gut ein.“

Kein Bock auf Europa

Die Einführung der UEFA Conference League ist wohl der Gipfel der Schwachsinnigkeit, einer Organisation, die scheinbar nur noch von Profitgier gelenkt ist. Während die jüngere Vergangenheit gezeigt hat, dass selbst die Motivation für die höherklassige Europa-League bei einigen Vereinen aus den Top5-Ligen nur bedingt gegeben ist, kommt nächste Saison eine an Irrelevanz kaum zu überbietende Liga an den Start.

Mit geringfügigen finanziellen Anreizen sollen Teams ihre Ruhephasen zwischen den Liga-Partien bei Auswärtsspielen gegen unbekannte Vereine aus den Niederungen des europäischen Klubfußballs opfern. Die Qualifikation für die Europa-League über einen Triumph in der Conference League dürfte als Motivationsspritze wohl kaum reichen und wirkt schon fast wie unangebrachter Spott. Max Kruse vom Europa-Anwärter Union Berlin wird jedenfalls vielen Fußballern aus der Seele sprechen, wenn er sagt: „Auf die Europa League hätte ich Bock. Auf die Conference League hätte ich keinen Bock, ich weiß nicht mal, was das ist.“

Rückblick – 24.Spieltag

Spieler des Spieltags: Robert Lewandowski

„Lewandowski vs Haaland“ war häufig Titel der Berichterstattung der Sportmedien im Vorfeld des „Klassikers“. Nach zehn Minuten zeigte sich bereits, dass zumindest der Norweger auf dem Feld steht, um die Erwartungen zu erfüllen. Mit seinen ersten beiden Torschüssen stellte er auf 0:2 für seine Borussia.

Was dann folgte, waren wütende Bayern, die ihre Rivalen mit absurd hohem Angriffs-Pressing über die restliche Spielzeit in die Defensive drängten. Haupt-Protagonist: der auf Gerd Müllers Spuren wandelnde Lewandowski, der Haalands Doppelpack mit seinen Saison-Toren 29, 30 und 31 konterte und wieder einmal Matchwinner beim am Ende höchst verdienten 4:2-Siegs der Münchener war.

Die Rose-Krise verschärft sich

Die Fans hat er nach Bekanntgabe seines Wechsels zum Ligakonkurrenten aus Dortmund nicht mehr auf seiner Seite. Aber gab es auch einen Bruch zwischen dem scheidenden Trainer Marco Rose und seiner Mannschaft? Abwechselnde Dementi und neu aufflammende Gerüchte zum angeblichen Missverhältnis gibt es beinahe täglich.

Leistung und Ergebnisse zeigen jedenfalls einen klaren Negativ-Trend. Gegen ebenfalls krisengebeutelte Leverkusener setzte es Gladbachs vierte Niederlage in Folge. Während die Defensive weitestgehend stabil stand, scheint die hochgelobte Offensive Woche für Woche an Durchschlagskraft einzubüßen. Nur drei Schüsse gingen aufs Gehäuse des jungen Leverkusener Keepers Lennart Grill. Zu wenig Punch für ein Team, das mit dem Rücken zur Wand steht und dringend punkten sollte, um seine Chance zur Qualifikation auf das internationale Geschäft zu wahren. Eventuell fehlt dem aktuellen Coach schlicht die Glaubwürdigkeit, sein Team für den Endspurt zum Erreichen der Saisonziele heiß zu machen.

Paolo Otavio wird zum Meme

Es läuft die 94.Spielminute. Der Hoffenheimer Munas Dabbur läuft nach einer Ecke der Wolfsburger an dem mit nach vorne gerückten Koen Casteels vorbei zum 3:1 auf das leere Gäste-Tor zu, um dem ohnehin entschiedenen Spiel den Deckel draufzumachen. Dabei hat er die Rechnung ohne Wolfsburgs Karate-Kid Paolo Otavio gemacht. Mit dem gefühlt schnellsten Sprint des Spieltages machte er mehrere Meter auf den enteilten Dabbur gut, um ihn mit einer abgesprungenen Scherengrätsche von den Beinen zu holen.

Die Frage, die bleibt, ist die nach dem Warum. Otavio hatte sich bereits seine fünfte gelbe Karte abgeholt, wird durch seine Kurzschluss-Reaktion nun aber wohl für längere Zeit gesperrt, nur um bei Wiederrückkehr erneut kurz vor der Gelbsperre zu stehen. Eine Chance auf den Ball oder das uneigennützige Opfern für die Möglichkeit eines späteren Ausgleichs war auch nicht im Ansatz gegeben. Das Einzige, was der kleine Brasilianer erreicht hat, ist, sich per Schnellverfahren zum Kult-Kicker und Fan-Lieblings zu machen und das Internet für ein paar Tage mit unzähligen Memes zu seiner Aktion zu fluten.

Rückblick – 23.Spieltag

Spieler des Spieltags: Koen Casteels

666 Minuten lang musste der belgische Schlussmann der Wölfe nicht mehr hinter sich greifen um den Ball aus dem Netz zu fischen. Der 884 Minuten anhaltende gegentorlose Rekord des deutschen Ex-Nationaltorwarts Timo Hildebrand scheint angesichts der nächsten Gegner zum Greifen nah.

Das 2:0 gegen die Hertha ist nun das siebte Spiel in Folge, in dem das Grün-Weiße-Bollwerk gegentorlos blieb. Maßgeblichen Anteil an der besten Defensive der Liga des Champions-League-Aspiranten hat der spielstarke belgische Nationaltorhüter. Seit Wochen schon hext, der 2 Meter lange Casteels, die wenigen Chancen die die auf dem gesamten Platz diszipliniert verteidigenden Wolfsburger zulassen aus dem Kasten.

Mit zwei starken Paraden gegen Zeefuik und Tousart bewies Casteels wieder einmal seine herausragende Klasse auf der Linie und wusste nebenbei wie immer durch sichere Strafraumbeherrschung und einen technisch sauberen, präzisen Spielaufbau zu überzeugen.

Revolte der Hoffnungsträger

Die Saison der bemitleidenswerten Schalker wirkt mittlerweile wie eine gescriptete Daily-Soap. Neuer Mittelpunkt des Dramas sind die drei als Anführer und Hoffnungsträger verpflichteten Routiniers Kolasinac, Huntelaar und Mustafi. Gemeinsam mit Torwart Ralf Fährmann sollen sie im Vorfeld des Stuttgart-Spiels die Vereinsführung um eine Entlassung des Cheftrainers Christian Gross gebeten haben.

Ursache des Ärgers, die Zerfahrenheit des 66-jährigen Schweizers, die sich immer häufiger in von der Presse dankend angenommenen Verwechslungen und Namensdrehern äußert. Gepaart mit der wachsenden Unzufriedenheit durch unangemessene Trainingsmethoden und nicht ausreichender taktischer Vorbereitung zu viel, um Hoffnung auf einen königsblauen Umschwung zu machen. Vor Beginn der Schmach in Stuttgart versuchte die Führung noch geschlossen den Dolchstoß aus der Mannschaft als medieninszeniertes Märchen abzutun. Die PK nach dem Spiel vermittelte aber ein anderes Bild. Gross zeigte sich enttäuscht, ob der hinter seinem Rücken stattfindenden Kommunikation und ließ seine Enttäuschung raushören.

Eine Suspendierung der Anschwärzer hatte der geplante Sturz des Trainers nicht zur Folge. Stattdessen gab es ein Personalbeben auf Schalke. Mit Christian Gross, Sportvorstand Jochen Schneider, dem Koordinator der Lizenzspielerabteilung Sascha Riether und Athletik-Coach Werner Leuthard wurde nahezu die gesamte sportliche Führung auf einen Schlag entlassen. Mit dem unerfahrenen und in der jüngeren Vergangenheit bereits einmal angelehnten Dimitrios Grammozis hat der neue Hauptverantwortliche Peter Knäbel inzwischen den fünften Trainer dieser Saison präsentiert, der sich der Mammutaufgabe Schalke 04 annimmt.

Nordische Kühlheit

Wenig Tempo, wenig Kreativität, wenig Ballbesitz. Zusammengefasst ist das Werder Bremens Offensivfußball in dieser Saison. Das einstige Bremer Markenzeichen, die Angriffs-Power mit klangvollen Namen à la Klose, Diego oder Micoud ist nicht einmal mehr im Ansatz zu erkennen. Fußballdeutschland scheint sich einig, die Elf von der Weser hat sich über die Jahre zu einer der unattraktivsten Mannschaften der Liga entwickelt.

Nichtdestotrotz stehen die Bremer mit 26 Zählern aus 22 Spielen besser da, als es die öffentliche Wahrnehmung des Vereins vermuten lassen würde. Denn zumindest die Defensive der Hansestädter hat sich durch den destruktiven Spielstil merklich verbessert. Mit nur 32 Gegentoren hat man ebenso wenig zugelassen wie der Tabellenführer aus München. Außerdem ist das Freitagabend-Spiel gegen formstarke Frankfurter (2:1) ein weiterer Beleg, dass eine neue Qualität der Bremer scheint deutlich bessere Gegner auf ihr bescheidenes Niveau herunterzuziehen. Wenn dann die wenigen erspielten Torchancen ertragreich abgeschlossen werden, führt die hanseatische Nüchternheit für das Fernbleiben sämtlicher Abstiegsängste.

Rückblick – 22. Spieltag

Spieler des Spieltags: Amin Younes

Die Frankfurter Adler setzen ihren Höhenflug fort und können sich seit diesem Spieltag zum FC St. Pauli gesellen und sich „Weltpokal-Sieger-Besieger“ nennen. Vor den Augen des Bundestrainers Joachim Löw lieferte mit Amin Younes ein alter Bekannter ein makellose Bewerbung für weitere Nominierungen.

In der ersten Halbzeit des 2:1-Heimsieges brannte die SGE ein regelrechtes Offensiv-Feuerwerk ab. Immer mittendrin der kleine Spielmacher, der sich seit Wochen in bestechender Form befindet. Mit seinen Bewegungen zwischen den Linien, seinen unberechenbaren Dribblings und kreativem Pass-Spiel war Younes dauerpräsenter Stör-Faktor der Bayern-Defensive. Fünfmal schoss Younes auf das gegnerische Gehäuse mit positivem Ausgang zum 2:0 in der ersten Halbzeit. Ein Tor für alle Fußball-Ästhetiker. Mit zwei Körpertäuschungen schickte er Niklas Süle ins Leere, um einen strammen Vollspann-Schuss im Winkel zu versenken.

Extraklasse war auch Younes Aktion in Gedenken an den Anschlag in Hanau. Mit dem Präsentieren eines T-Shirts erinnerte eher beim Torjubel an die Opfer und erklärte später, „Ich möchte, dass die Angehörigen wissen, dass wir an sie denken und dass uns das nah gegangen ist.“

Mainzer Superjoker

Seit der Übernahme der Mainzer durch das Trio Heidel/Schmidt/Svensson tasten sich die 05er Schritt für Schritt näher an die Nichtabstiegs-Plätze heran. Erfolgsrezept der Rhein-Hessen ist die Rückbesinnung auf alt bewährte Tugenden. Hohe Laufbereitschaft, gepaart mit aggressivem Pressing und der Malocher-Mentalität einer Truppe, die sich ihres ständigen Existenzkampfs bewusst ist.

Neuer Faktor ist das glückliche Händchen des Chefcoachs Bo Svensson, der in Kevin Stöger einen eiskalten Spezialisten für die Schlussminuten gefunden hat. Vergangene Woche konnte der Österreicher nach Einwechslung in der Nachspielzeit gegen Bayer Leverkusen zum 2:2 ausgleichen. Diese Woche verpasster er als Joker, dem nächsten Favoriten einen Last-Minute-KO. Einen missglückten Befreiungskopfball des Gladbacher Nationalmannschafts-Kollegen Stefan Lainer konnte das Mainzer Super-Sub aus neun Metern Entfernung fünf Minuten vor Schluss zum 1:2-Siegtreffer über die Linie drücken.

Die Dortmunder Auf und Abs

Eine Story dieser Saison ist definitiv die Inkonstanz der Elf vom Borsigplatz. Phasen, in denen aus allen Richtungen versucht wird, eine sportliche Krise zuzuschreiben, werden in aller Regelmäßigkeit durch eindrucksvolle Siege in wichtigen Spielen im Keim erstickt.

Vor dem Champions-League-Gastspiel gegen eine stark erwartete Mannschaft aus Sevilla sah wieder vieles nach Schwarz-Gelber-Sinnkrise aus. Doch dann bezwangen die entfesselt aufspielenden Dortmunder die disziplinierten Andalusier völlig verdient mit 2:3. Der vernichtende Derby-Sieg der Borussen war dann die letzte Dosis Medizin zur endgültigen Wieder-Genesung des Revier-Klubs. Ohne den Hauch eines Zweifels putzten die Dortmunder den Erz-Rivalen aus Gelsenkirchen mit 0:4 aus dem Stadion.

Rückblick – 21. Spieltag

Spieler des Spieltags: Sami Khedira

Ausgerechnet zu seinem langjährigen Jugendverein, erstem Profi- und Herzens-Klub, dem VFB Stuttgart, führte es Sami Khedira in seinem ersten Auswärtsspiel im Trikot der Hertha. In den ersten 45 Minuten wurden die Berliner regelrecht an die Wand gespielt und lagen verdient zur Pause mit 1:0 hinten. Doch in der zweiten Halbzeit, insbesondere mit der Einwechslung Khediras nach einer knappen Stunde, wendeten sich die Spielanteile deutlich zugunsten des Hauptstadt-Klubs.

Über die gesamte halbe Stunde verkörperte Khedira den weitgereisten, spielintelligenten und abgeklärten Routinier, den sich Verantwortliche und Investoren-Team mit dem Transfer erhofft haben. Die meisten der zahlreichen Hertha-Angriffe wurden über ihn initiiert. Von seinen 24 gespielten Pässen brachte der Weltmeister über 87% an den Mann. In nur einer halben Stunde Spielzeit war der Deutsch-Tunesier außerdem der Spieler mit den zweitmeisten ausgeübten Tackles in der Mercedes-Benz-Arena. Seinen punktrettenden Glanzmoment hatte der Rückkehrer dann in der 82.Minute, als er das eingelaufene Berliner Tafelsilber Lucas Netz mit einem perfekt getimten Chipball in den 16er zum 1:1 auf die Reise schickte.

Es lebe der Pazifismus

Lediglich die formstarken Leipziger und Frankfurter konnten in ihren Heimspielen gegen Augsburg respektive Köln als Sieger vom Platz gehen. Die anderen 14 Bundesliga-Klubs sorgten für einen neuen Bundesliga-Rekord. Auf allen sieben Plätzen ging man schiedlich friedlich mit Unentschieden vom Platz. Am Montagabend gelang es nicht einmal, den hochfavorisierten Münchnern ihre Aufholjagd gegen frech aufspielende Arminen in drei Punkte umzumünzen.

Von diesem winterlichen Kuschelkurs ließen sich offensichtlich auch die Unparteiischen anstecken, die nicht einen einzigen Platzverweis aussprechen mussten. Dementsprechend gab es wenig Bewegung auf den entscheidenden Tabellen-Plätzen. Eine verpasste Chance, insbesondere für die abgeschlagenen Schalker. Nur RB und die Frankfurter Adler konnten dieses harmonische Wochenende also für sich nutzen und ihren derzeitigen Champions-League-Platz weiter zementieren.

Dortmund bekommt ihren Sehnsuchtstrainer

Die Ausstiegsklasusel wurde gezogen. Der Deal ist unter Dach und Fach. Marco Rose wechselt zur nächsten Saison aus Mönchengladbach ins Ruhrgebiet zur größeren Borussia.

Eine dunkle Wolke schwebte seit dem Abgang Jürgen Klopps über dem Trainerstuhl der Schwarz-Gelben. Thomas Tuchel, Peter Bosz und Lucien Favre sind zweifelsfrei alle Fußball-Fachmänner aus dem obersten Regal, die aber nicht für langfristige Zufriedenheit des Dortmunder Anhangs sorgen konnten. Zu sehr sehnte man sich durch das langjährige Wirken des Erfolgs-Vaters Klopp nach einem charismatischen, humorvollen und volksnahem Übungsleiter. Alles fehlende Attribute, die seinen Nachfolgern in Dortmund zur Last gefallen sind.

Mit Rose hat man endlich einen legitimen Nachfolger gefunden, der taktische Detailverliebtheit und eine klare Spielidee mit Kloppschen Soft-Skill-Kompetenzen verbindet. Mit Klopp stand Rose als Spieler von Mainz 05 sogar viele Partien zusammen auf dem Platz und schaffte mit ihm als Trainer den Mainzer Aufstieg in die deutsche Fußball-Beletage.

Nächste Saison hat der gebürtige Leipziger Zeit zu beweisen, dass in Dortmunds Kader deutlich mehr Talent steckt als die momentanen Auftritte des Revier-Klubs andeuten und die Fußstapfen der Dortmunder Vereins-Legende nicht zwangsläufig zu groß sein müssen.

Rückblick – 20.Spieltag

Spieler des Spieltags: Elvis Rexhbecaj

Auch der nächste Spieler des Spieltags kommt aus der Domstadt. Der Effzeh hat einen neuen Derby-Helden. Offensiv und Defensiv konnte der aus Wolfsburg ausgeliehene Deutsch-Kosovare Elvis Rexhbecaj wichtige Akzente zum zweiten Köln-Sieg in Folge setzen.

Schon in der dritten Minute konnte der aggressive Box-to-Box-Spieler einen traumhaften Schnittstellen-Pass Ondrej Dudas von der Strafraumgrenze aus im rechten Eck versenken. Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich der Fohlen war es dann wiederum Rexhbecaj, der einen durch druckvolles Gegenpressing erzwungenen Fehlpass Stefan Lainers kompromisslos an Sommer vorbeischob.

Dass auch seine Mentalität absolut vorbildlich war, beweist sein Arbeitsnachweis. Nach 90 Minuten war Rexhbecaj sowohl der Spieler mit den meisten Tacklings (4) als auch der am häufigsten gefoulte Spieler auf dem Platz. (5)

Die Weltmeister sind zurück

Kurz vor Ablauf der Winter-Transferperiode konnten die beiden kriselnden Riesen Schalke 04 und Hertha BSC noch einmal mit einem Transfer-Coup aufhorchen lassen. Mit Skhodran Mustafi vom FC Arsenal London und Sami Khedira von Juventus Turin kommen zwei Weltmeister von 2014 in die Bundesliga, um ihren Teams wichtige Unterstützung im Kampf um dringend benötigte Punkte zu leisten.

Die Bilanz des ersten Auftritts der Hoffnungsträger war dann aber doch sehr ernüchternd. Mustafi zeigte sich bei seinem Bundesliga-Debüt (0:3 gegen Leipzig) zwar als lautstarker Wortführer muss eine schlecht verteidigte Ecke zum 1:0 aber auf seine Kappe nehmen und sah im Laufe des Spiels bei der ein oder anderen Szene gegen die schnellen RB-Angreifer nicht ganz souverän aus. Für Khedira reichte es bei Herthas starkem Auftritt gegen die Bayern nur zu einer Einwechslung in der 81. Minute. In der Folge konnte er keine nennenswerte Impulse zu einem durchaus möglichen Punktgewinn gegen den Rekordmeister leisten.

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Verpflichtungen der beiden Routiniers neben einem geglückten PR-Move auch noch die dringend benötigte sportliche Bereicherung mit sich bringen.

Wunder-Teenies auf Rekord-Jagd

Bayers kreatives Herz Florian Wirtz hat beim 5:2-Sieg seiner Leverkusener wieder einmal ein Tor zur Jagd auf die Champions-League-Plätze bei gesteuert. Dadurch ist der Edel-Techniker nun der erste Bundesliga-Spieler, der fünf Liga-Tore vor Vollendung seines 18.Lebensjahres erzielt hat. Ein potentieller Rekord für die Ewigkeit wäre da nicht Dortmunds Ausnahmetalent Youssoufa Moukoko.

Bei der Niederlage von Schwarz-Gelb in Freiburg wurde der 16-jährige für den blassen Kapitän Marco Reus eingewechselt. Sofort war er belebendes Element, schoss insgesamt vier Mal Richtung Freiburger Kasten und sorgte mit seinem zweiten Saison-Tor für den am Ende nicht belohnten 2:1-Anschlusstreffer. Angesichts der schwächelnden BVB-Offensive ist vorstellbar, dass dem Teenie wieder mehr Spielzeit gewährt wird und Wirtz neu aufgestellter Rekord noch in der selben Saison geknackt wird.